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Videodokumentation
Workshop „Folgen des Kolonialismus in der gegenw├Ąrtigen Kunstpr├Ąsentation“ 2022

Beitr├Ąge von katrin

Das ┬╗Liegende Paar┬ź (1981) von Sabina Grzimek (3) im Prater Garten an der Kastanienallee ist ein Beispiel daf├╝r. Ein halb liegender Mann ist neben einer liegenden Frau auf einem niedrigen Betonsockel platziert. Die beiden Figuren ber├╝hren sich dabei kaum und scheinen ├╝ber dem Boden zu schweben. Die Beine des Paares ragen in die Luft, ebenso verlaufen die langen Haare der Frau senkrecht zum Boden und verst├Ąrken den schwebenden Eindruck. Die aufgeraute Oberfl├Ąche der Skulpturen verst├Ąrkt den fluiden Charakter. Diese Details geben dem filigranen Figurenensemble, neben dem zudem ein Brunnengef├Ą├č von der K├╝nstlerin platziert wurde, eine surrealistisch traumhafte Atmosph├Ąre.

Assoziationen wie Quelle und Ursprung, Natur und Mensch, Liebe und Fruchtbarkeit sind intendiert, werden aber durch die Leerstellen zwischen den Figuren und dem kelchartigen Brunnenobjekt offen gehalten. Eine andere, fr├╝here Skulptur von Sabina Grzimek, ┬╗Stehendes Paar┬ź von 1968 an der Gubitzstra├če Ecke Ostseestra├če, wirkt durch die zur├╝ckhaltende Gestik der Figuren, ihre kleinen K├Âpfe und ihr Nebeneinanderstehen (ohne sich zu ber├╝hren) ebenso seltsam entr├╝ckt. Die Bildhauerin Birgit Horota-M├╝ller (4) ist weniger bekannt als ihr Mann Stephan Horota, dessen zahlreiche Tierskulpturen in Parkanlagen stehen. Neben Grafiken und Lithografien von Tieren gestaltete Birgit Horota-M├╝ller eine zehn Meter lange Bronzetafel mit dem Titel ┬╗Aus der Geschichte des Bezirks Prenzlauer Berg von Berlin┬ź (1971). Diese ist an der Parkmauer des Einganges zum Volkspark Prenzlauer Berg befestigt und schildert die Geschichte des Prenzlauer Berges. In Reliefen stellt die K├╝nstlerin Szenen aus dem Kaiserreich, der Gr├╝nderzeit, dem nationalsozialistischen Deutschland sowie einen sowjetischen Soldaten dar und integriert in diese historische Chronologie K├╝nstlerinnen des Prenzlauer Berges: K├Ąthe Kollwitz, Heinrich Zille und der Architekt Hermann Henselmann sind bei ihren k├╝nstlerischen T├Ątigkeiten zu sehen; Eine sehenswerte Ostberliner Chronologie der Stadt.

 

In dem B├╝rgerpark Pankow befindet sich das Ensemble ┬╗Der Dichter und das M├Ądchen┬ź (1999) der Bildhauerin Sabine Teubner-Mbaye (5). Fichten ums├Ąumen die zweiteilige Skulptur und generieren eine pastorale Beschaulichkeit im Stadtpark. Die lebensgro├čen Skulpturen wurden dabei zu unterschiedlichen Zeitpunkten aufgestellt: Die liegende Figur ┬╗Der Dichter┬ź im Jahre 1989 und das stehende und kraftvoll wirkende ┬╗M├Ądchen┬ź nach der Wende im Jahre 1997. Dies mag ein Grund sein, warum die Figuren trotz eines klassischen BildhauerSujets individuell und solit├Ąr wirken. Eine Frauenfigur aus Sandstein mit abstrahierten K├Ârperformen (2002) der K├╝nstlerin ist gut sichtbar an der Stra├čenecke Florastra├če und G├Ârschstra├če platziert, und eine halbrunde Bank l├Ądt dort zum Verweilen ein. Der Titel ┬╗Bruch ist ganz┬ź l├Ąsst viele Deutungen zu.

 

 

 

 

Eine spannende Geschichte ist mit der Skulpturengruppe ┬╗Drei Frauen┬ź der Bildhauerin und Zeichnerin Carin Kreuzberg (6) verkn├╝pft. Urspr├╝nglich war es eine Auftragsarbeit (1979) f├╝r den Vorplatz des ÔÇ║VEB ElektrokeramikWerkesÔÇ╣ in der Florastra├če. Die Idee, drei Frauen f├╝r den Platz zu gestalten, kam der K├╝nstlerin, nachdem sie bei einer F├╝hrung die vielen Arbeiterinnen in der Werkhalle gesehen hatte. Kreuzberg schuf daraufhin ein Gipsmodell mit drei verschiedenen Frauentypen: Eine mutig Voranschreitende, eine Z├Âgerliche und eine in sich versunkene Tr├Ąumende. (7) Der Betriebsmeister lehnte Kreuzbergs feministische Sicht auf die Arbeitssituation ab und der K├╝nstlerin wurde der Auftrag entzogen. Durch den Kunstfonds der DDR konnte Kreuzberg jedoch ihre ┬╗Drei Frauen┬ź 1981 in Bronze gie├čen lassen. Da es im Bezirk Pankow kaum noch Platz f├╝r Skulpturen gab, lagerten die drei Frauenfiguren bis 1993 im Gr├╝nfl├Ąchenamt Pankow. 1993 wurden sie vom Gr├╝nfl├Ąchenamt auf einer Gr├╝nfl├Ąche am Elizabethweg Ecke Ossietzkystra├če (jetziger Standort) unweit des Schlossparks platziert. Jede Figur steht dabei auf einer eigenen, flachen Plinthe. Kurz nach der Aufstellung der Skulpturengruppe verdrehten Unbekannte die Frauenfigur ÔÇ║VoranschreitendeÔÇ╣ und r├╝ckten sie damit an die beiden anderen heran. Dadurch entstand eine bis heute andauernde kreisf├Ârmige Anordnung der Frauenfiguren und das Motiv der voranschreitenden, mutigen Frau wurde zum Verschwinden gebracht. Die Frage, wann Carin Kreuzbergs Skulpturengruppe ┬╗Drei Frauen┬ź so zu sehen sein, wie die K├╝nstlerin es konzipierte, ist auch eine feministischpolitische Frage zur Kunst im ├Âffentlichen Raum.

 

1 Der Verband Bildender K├╝nstler (VBK) wurde 1950 als Berufsorganisation der Bildenden K├╝nstler gegr├╝ndet. ┬╗Die Mitgliedschaft er├Âffnete den Zugang zum staatlichen Kunsthandel. Die Vergabe ├Âffentlicher Auftr├Ągen erfolgte nur an im Verband organiserte K├╝nstler. Zum Zeitpunkt seiner Aufl├Âsung 1990 hatte der VBK ca. 6.000 Mitglieder.┬ź, www.bildatlas-ddr-kunst.de/glossary/72, abgerufen am 20.11.2022.
2 Angelika Richter, ┬╗Das Gesetz der Szene. Genderkritik, Performance Art und zweite ├ľffentlichkeit in der sp├Ąten DDR┬ź, zitiert aus Fu├čnote 21, Bielefeld 2019, S. 42.
3 Sabina Grzimek (1942 geb. in Rom), in Berlin stehen u.a. die Skulptur ┬╗Mutter mit Kind┬ź (1976-1981), die der Widerstandsk├Ąmpferin Liselotte Herrmann 1909-1938 gewidmet ist, und der ┬╗Junge aus der Marienburgerstra├če┬ź (1968-1970).
4 Birgit Horota-M├╝ller (1936 Frankfurt (Oder) ÔÇô 2021 Berlin), deutsche Bildhauerin und Grafikerin. Eine Tierskulptur ┬╗B├Ąr┬ź (1966) steht auf dem Humanplatz an der Stahlheimerstra├če.
5 Sabine Teubner-Mbaye (1953 geb.), lebt in Berlin, bildhauerische und installative Arbeiten und Grafiken, www.sabine-teubner-mbaye.de.
6 Carin Kreuzberg (1935 in Berlin geb.), lebt in Berlin, zahlreiche Skulpturen im ├Âffentlichen Raum u.a. ┬╗Sitzendes Liebespaar┬ź, (1976), Breite Stra├če; ┬╗Stehender Junge┬ź (1985), Fr├Âbelstra├če; ┬╗Heinrich-Heine-Denkmal┬ź (1990), Heinrich-Heine-Stra├če; ┬╗Denkmal f├╝r E.T.A. Hoffmann┬ź
(1978-1979), urspr├╝nglicher Standort Gendarmenmarkt, heute Innenhof der Staatsbibliothek Berlin.
7 Alle Angaben zu der Skulpturengruppe ┬╗Drei Frauen┬ź stammen aus einem Interview mit Carin Kreuzberg und der Autorin vom 21.11.2022. Der Dokumentarfilm ┬╗Drei Frauen. Kreuzberg in Pankow┬ź (2021) von Annika Lewandowski stellt Carin Kreuzberg als K├╝nstlerin vor und schildert
zudem die Geschichte der Skulpturengruppe ┬╗Drei Frauen┬ź. Der Film erhielt 2022 den ersten Preis des Film Festivals ┬╗Woman over 50┬ź.

 

Die erste Abbildung zeigt „Drei Frauen“ von Carin Kreuzberg, ┬ę Birgit Szepanski
Das zweite Foto zeigt „Liegendes Paar“ von Sabrina Grzimek,┬ę Birgit Szepanski
Das dritte Fot zeigt „Dichter und M├Ądchen“ von Sabine Teubner-Mbaye, ┬ę Birgit Szepanski

 

Frauen in der Stadt. Skulpturen von Bildhauerinnen der DDR in Pankow Skulpturen, die von K├╝nstlerinnen f├╝r den ├Âffentlichen Raum in Berlin geschaffen wurden, sind seltener zu sehen als die von K├╝nstlern. Auch die Darstellung des weiblichen K├Ârpers in einer Skulptur wurde mehrheitlich von Bildhauern ausgef├╝hrt. Dieses Ungleichgewicht existierte auch in der DDR, obwohl dort die Gleichstellung von Mann und Frau politisch gef├Ârdert wurde. In der DDR bekamen prozentual mehr K├╝nstlerinnen Auftr├Ąge f├╝r Kunst-am-Bau-Projekte und Skulpturen im Stadtraum als in der BRD, aber aufgrund hierarchischer Strukturen blieben sie trotzdem in einer Minderheit. Allgemein erhielten honorierte Auftr├Ąge f├╝r Kunst-am-Bau-Projekte, Skulpturen und Ausstellungen in der DDR nur K├╝nstlerinnen, die eine Mitgliedschaft im Verein Bildender K├╝nstlervorweisen konnten. (1) Im Jahre 1988 waren im Verein Bildender K├╝nstler von insgesamt vierhundert bildhauerisch Arbeitenden nur einhundert K├╝nstlerinnen ÔÇô dies zeigt deutlich einen Gender-Gap. (2)

Dr. phil. in art. Birgit Szepanski
ist K├╝nstlerin, Autorin und Dozentin und lebt in Berlin. Nach ihrem Kunststudium an der Kunstakademie M├╝nster und
dem Masterstudium ÔÇ║Kunst im KontextÔÇ╣ an der Universit├Ąt der K├╝nste Berlin promovierte sie an der Hochschule f├╝r
bildende K├╝nste Hamburg zum Thema ┬╗Erz├Ąhlte Stadt┬ź (ver├Âffentlicht im transcript Verlag). Birgit Szepanski h├Ąlt
Gastvorlesungen und Vortr├Ąge zu ihren Forschungsthemen „Erz├Ąhlen in der bildenden Kunst und Stadtwahrnehmung“.
Ihre k├╝nstlerischen Arbeiten, die sich mit Erinnern und Erz├Ąhlen im dem urbanen Raum auseinandersetzen, zeigt sie regelm├Ą├čig in Ausstellungen.
www.birgitszepanski.de

Viele der Bildhauerinnen der DDR sind im Kunst- und Kulturgeschehen nach der Wende aus dem Blick geraten. Dabei haben figurative Skulpturen aus der DDR, die heute noch in vielen Parkanlagen und auf Wiesen zwischen Wohnsiedlungen zu finden sind, eine diskursive Aktualit├Ąt. Trotz stilisierter Skulptur-Figuren wie ┬╗Mutter mit Kind┬ź, ┬╗Tr├╝mmerfrau┬ź, ┬╗spielende M├Ądchen┬ź und zahlreiche weibliche Akte wird im Stadtbild die Sicht- und Unsichtbarkeit des Weiblichen ÔÇô als historisch relevante Figur, als k├╝nstlerische Urheberin und Gestalterin von Stadt ÔÇô deutlich. Es lohnt sich, sich diese skulpturalen Frauenfiguren bei Spazierg├Ąngen zum Beispiel in Pankow n├Ąher anzusehen. Einige von Bildhauerinnen der DDR geformte Skulpturen weichen mitunter von der sozialistisch-realistischen Formensprache ab und gestalten im vorgegeben Formenkatalog individuelle Plastiken f├╝r den urbanen Raum.

Das ┬╗Liegende Paar┬ź (1981) von Sabina Grzimek (3) im Prater Garten an der Kastanienallee ist ein Beispiel daf├╝r. Ein halb liegender Mann ist neben einer liegenden Frau auf einem niedrigen Betonsockel platziert. Die beiden Figuren ber├╝hren sich dabei kaum und scheinen ├╝ber dem Boden zu schweben. Die Beine des Paares ragen in die Luft, ebenso verlaufen die langen Haare der Frau senkrecht zum Boden und verst├Ąrken den schwebenden Eindruck. Die aufgeraute Oberfl├Ąche der Skulpturen verst├Ąrkt den fluiden Charakter. Diese Details geben dem filigranen Figurenensemble, neben dem zudem ein Brunnengef├Ą├č von der K├╝nstlerin platziert wurde, eine surrealistisch traumhafte Atmosph├Ąre.

Assoziationen wie Quelle und Ursprung, Natur und Mensch, Liebe und Fruchtbarkeit sind intendiert, werden aber durch die Leerstellen zwischen den Figuren und dem kelchartigen Brunnenobjekt offen gehalten. Eine andere, fr├╝here Skulptur von Sabina Grzimek, ┬╗Stehendes Paar┬ź von 1968 an der Gubitzstra├če Ecke Ostseestra├če, wirkt durch die zur├╝ckhaltende Gestik der Figuren, ihre kleinen K├Âpfe und ihr Nebeneinanderstehen (ohne sich zu ber├╝hren) ebenso seltsam entr├╝ckt. Die Bildhauerin Birgit Horota-M├╝ller (4) ist weniger bekannt als ihr Mann Stephan Horota, dessen zahlreiche Tierskulpturen in Parkanlagen stehen. Neben Grafiken und Lithografien von Tieren gestaltete Birgit Horota-M├╝ller eine zehn Meter lange Bronzetafel mit dem Titel ┬╗Aus der Geschichte des Bezirks Prenzlauer Berg von Berlin┬ź (1971). Diese ist an der Parkmauer des Einganges zum Volkspark Prenzlauer Berg befestigt und schildert die Geschichte des Prenzlauer Berges. In Reliefen stellt die K├╝nstlerin Szenen aus dem Kaiserreich, der Gr├╝nderzeit, dem nationalsozialistischen Deutschland sowie einen sowjetischen Soldaten dar und integriert in diese historische Chronologie K├╝nstlerinnen des Prenzlauer Berges: K├Ąthe Kollwitz, Heinrich Zille und der Architekt Hermann Henselmann sind bei ihren k├╝nstlerischen T├Ątigkeiten zu sehen; Eine sehenswerte Ostberliner Chronologie der Stadt.

 

In dem B├╝rgerpark Pankow befindet sich das Ensemble ┬╗Der Dichter und das M├Ądchen┬ź (1999) der Bildhauerin Sabine Teubner-Mbaye (5). Fichten ums├Ąumen die zweiteilige Skulptur und generieren eine pastorale Beschaulichkeit im Stadtpark. Die lebensgro├čen Skulpturen wurden dabei zu unterschiedlichen Zeitpunkten aufgestellt: Die liegende Figur ┬╗Der Dichter┬ź im Jahre 1989 und das stehende und kraftvoll wirkende ┬╗M├Ądchen┬ź nach der Wende im Jahre 1997. Dies mag ein Grund sein, warum die Figuren trotz eines klassischen BildhauerSujets individuell und solit├Ąr wirken. Eine Frauenfigur aus Sandstein mit abstrahierten K├Ârperformen (2002) der K├╝nstlerin ist gut sichtbar an der Stra├čenecke Florastra├če und G├Ârschstra├če platziert, und eine halbrunde Bank l├Ądt dort zum Verweilen ein. Der Titel ┬╗Bruch ist ganz┬ź l├Ąsst viele Deutungen zu.

 

 

 

 

Eine spannende Geschichte ist mit der Skulpturengruppe ┬╗Drei Frauen┬ź der Bildhauerin und Zeichnerin Carin Kreuzberg (6) verkn├╝pft. Urspr├╝nglich war es eine Auftragsarbeit (1979) f├╝r den Vorplatz des ÔÇ║VEB ElektrokeramikWerkesÔÇ╣ in der Florastra├če. Die Idee, drei Frauen f├╝r den Platz zu gestalten, kam der K├╝nstlerin, nachdem sie bei einer F├╝hrung die vielen Arbeiterinnen in der Werkhalle gesehen hatte. Kreuzberg schuf daraufhin ein Gipsmodell mit drei verschiedenen Frauentypen: Eine mutig Voranschreitende, eine Z├Âgerliche und eine in sich versunkene Tr├Ąumende. (7) Der Betriebsmeister lehnte Kreuzbergs feministische Sicht auf die Arbeitssituation ab und der K├╝nstlerin wurde der Auftrag entzogen. Durch den Kunstfonds der DDR konnte Kreuzberg jedoch ihre ┬╗Drei Frauen┬ź 1981 in Bronze gie├čen lassen. Da es im Bezirk Pankow kaum noch Platz f├╝r Skulpturen gab, lagerten die drei Frauenfiguren bis 1993 im Gr├╝nfl├Ąchenamt Pankow. 1993 wurden sie vom Gr├╝nfl├Ąchenamt auf einer Gr├╝nfl├Ąche am Elizabethweg Ecke Ossietzkystra├če (jetziger Standort) unweit des Schlossparks platziert. Jede Figur steht dabei auf einer eigenen, flachen Plinthe. Kurz nach der Aufstellung der Skulpturengruppe verdrehten Unbekannte die Frauenfigur ÔÇ║VoranschreitendeÔÇ╣ und r├╝ckten sie damit an die beiden anderen heran. Dadurch entstand eine bis heute andauernde kreisf├Ârmige Anordnung der Frauenfiguren und das Motiv der voranschreitenden, mutigen Frau wurde zum Verschwinden gebracht. Die Frage, wann Carin Kreuzbergs Skulpturengruppe ┬╗Drei Frauen┬ź so zu sehen sein, wie die K├╝nstlerin es konzipierte, ist auch eine feministischpolitische Frage zur Kunst im ├Âffentlichen Raum.

 

1 Der Verband Bildender K├╝nstler (VBK) wurde 1950 als Berufsorganisation der Bildenden K├╝nstler gegr├╝ndet. ┬╗Die Mitgliedschaft er├Âffnete den Zugang zum staatlichen Kunsthandel. Die Vergabe ├Âffentlicher Auftr├Ągen erfolgte nur an im Verband organiserte K├╝nstler. Zum Zeitpunkt seiner Aufl├Âsung 1990 hatte der VBK ca. 6.000 Mitglieder.┬ź, www.bildatlas-ddr-kunst.de/glossary/72, abgerufen am 20.11.2022.
2 Angelika Richter, ┬╗Das Gesetz der Szene. Genderkritik, Performance Art und zweite ├ľffentlichkeit in der sp├Ąten DDR┬ź, zitiert aus Fu├čnote 21, Bielefeld 2019, S. 42.
3 Sabina Grzimek (1942 geb. in Rom), in Berlin stehen u.a. die Skulptur ┬╗Mutter mit Kind┬ź (1976-1981), die der Widerstandsk├Ąmpferin Liselotte Herrmann 1909-1938 gewidmet ist, und der ┬╗Junge aus der Marienburgerstra├če┬ź (1968-1970).
4 Birgit Horota-M├╝ller (1936 Frankfurt (Oder) ÔÇô 2021 Berlin), deutsche Bildhauerin und Grafikerin. Eine Tierskulptur ┬╗B├Ąr┬ź (1966) steht auf dem Humanplatz an der Stahlheimerstra├če.
5 Sabine Teubner-Mbaye (1953 geb.), lebt in Berlin, bildhauerische und installative Arbeiten und Grafiken, www.sabine-teubner-mbaye.de.
6 Carin Kreuzberg (1935 in Berlin geb.), lebt in Berlin, zahlreiche Skulpturen im ├Âffentlichen Raum u.a. ┬╗Sitzendes Liebespaar┬ź, (1976), Breite Stra├če; ┬╗Stehender Junge┬ź (1985), Fr├Âbelstra├če; ┬╗Heinrich-Heine-Denkmal┬ź (1990), Heinrich-Heine-Stra├če; ┬╗Denkmal f├╝r E.T.A. Hoffmann┬ź
(1978-1979), urspr├╝nglicher Standort Gendarmenmarkt, heute Innenhof der Staatsbibliothek Berlin.
7 Alle Angaben zu der Skulpturengruppe ┬╗Drei Frauen┬ź stammen aus einem Interview mit Carin Kreuzberg und der Autorin vom 21.11.2022. Der Dokumentarfilm ┬╗Drei Frauen. Kreuzberg in Pankow┬ź (2021) von Annika Lewandowski stellt Carin Kreuzberg als K├╝nstlerin vor und schildert
zudem die Geschichte der Skulpturengruppe ┬╗Drei Frauen┬ź. Der Film erhielt 2022 den ersten Preis des Film Festivals ┬╗Woman over 50┬ź.

 

Die erste Abbildung zeigt „Drei Frauen“ von Carin Kreuzberg, ┬ę Birgit Szepanski
Das zweite Foto zeigt „Liegendes Paar“ von Sabrina Grzimek,┬ę Birgit Szepanski
Das dritte Fot zeigt „Dichter und M├Ądchen“ von Sabine Teubner-Mbaye, ┬ę Birgit Szepanski

 

Frauen in der Stadt. Skulpturen von Bildhauerinnen der DDR in Pankow Skulpturen, die von K├╝nstlerinnen f├╝r den ├Âffentlichen Raum in Berlin geschaffen wurden, sind seltener zu sehen als die von K├╝nstlern. Auch die Darstellung des weiblichen K├Ârpers in einer Skulptur wurde mehrheitlich von Bildhauern ausgef├╝hrt. Dieses Ungleichgewicht existierte auch in der DDR, obwohl dort die Gleichstellung von Mann und Frau politisch gef├Ârdert wurde. In der DDR bekamen prozentual mehr K├╝nstlerinnen Auftr├Ąge f├╝r Kunst-am-Bau-Projekte und Skulpturen im Stadtraum als in der BRD, aber aufgrund hierarchischer Strukturen blieben sie trotzdem in einer Minderheit. Allgemein erhielten honorierte Auftr├Ąge f├╝r Kunst-am-Bau-Projekte, Skulpturen und Ausstellungen in der DDR nur K├╝nstlerinnen, die eine Mitgliedschaft im Verein Bildender K├╝nstlervorweisen konnten. (1) Im Jahre 1988 waren im Verein Bildender K├╝nstler von insgesamt vierhundert bildhauerisch Arbeitenden nur einhundert K├╝nstlerinnen ÔÇô dies zeigt deutlich einen Gender-Gap. (2)

Dr. phil. in art. Birgit Szepanski
ist K├╝nstlerin, Autorin und Dozentin und lebt in Berlin. Nach ihrem Kunststudium an der Kunstakademie M├╝nster und
dem Masterstudium ÔÇ║Kunst im KontextÔÇ╣ an der Universit├Ąt der K├╝nste Berlin promovierte sie an der Hochschule f├╝r
bildende K├╝nste Hamburg zum Thema ┬╗Erz├Ąhlte Stadt┬ź (ver├Âffentlicht im transcript Verlag). Birgit Szepanski h├Ąlt
Gastvorlesungen und Vortr├Ąge zu ihren Forschungsthemen „Erz├Ąhlen in der bildenden Kunst und Stadtwahrnehmung“.
Ihre k├╝nstlerischen Arbeiten, die sich mit Erinnern und Erz├Ąhlen im dem urbanen Raum auseinandersetzen, zeigt sie regelm├Ą├čig in Ausstellungen.
www.birgitszepanski.de

Frauen in der Stadt. Skulpturen von Bildhauerinnen der DDR in Pankow

Skulpturen, die von K├╝nstlerinnen f├╝r den ├Âffentlichen Raum in Berlin geschaffen wurden, sind seltener zu sehen als die von K├╝nstlern.
Auch die Darstellung des weiblichen K├Ârpers in einer Skulptur wurde mehrheitlich von Bildhauern ausgef├╝hrt.
Dieses Ungleichgewicht existierte auch in der DDR, obwohl dort die Gleichstellung von Mann und Frau politisch gef├Ârdert wurde. In der DDR bekamen prozentual mehr K├╝nstlerinnen Auftr├Ąge f├╝r Kunst-am-Bau-Projekte und Skulpturen im Stadtraum als in der BRD, aber aufgrund hierarchischer Strukturen blieben sie trotzdem in einer Minderheit. Allgemein erhielten honorierte Auftr├Ąge f├╝r Kunst-am-Bau-Projekte, Skulpturen und Ausstellungen in der DDR nur K├╝nstlerinnen, die eine Mitgliedschaft im Verein Bildender K├╝nstlervorweisen konnten. (1) Im Jahre 1988 waren im Verein Bildender K├╝nstler von insgesamt vierhundert bildhauerisch Arbeitenden nur einhundert K├╝nstlerinnen ÔÇô dies zeigt deutlich einen Gender-Gap. (2)

Viele der Bildhauerinnen der DDR sind im Kunst- und Kulturgeschehen nach der Wende aus dem Blick geraten. Dabei haben figurative Skulpturen aus der DDR, die heute noch in vielen Parkanlagen und auf Wiesen zwischen Wohnsiedlungen zu finden sind, eine diskursive Aktualit├Ąt. Trotz stilisierter Skulptur-Figuren wie ┬╗Mutter mit Kind┬ź, ┬╗Tr├╝mmerfrau┬ź, ┬╗spielende M├Ądchen┬ź und zahlreiche weibliche Akte wird im Stadtbild die Sicht- und Unsichtbarkeit des Weiblichen ÔÇô als historisch relevante Figur, als k├╝nstlerische Urheberin und Gestalterin von Stadt ÔÇô deutlich. Es lohnt sich, sich diese skulpturalen Frauenfiguren bei Spazierg├Ąngen zum Beispiel in Pankow n├Ąher anzusehen. Einige von Bildhauerinnen der DDR geformte Skulpturen weichen mitunter von der sozialistisch-realistischen Formensprache ab und gestalten im vorgegeben Formenkatalog individuelle Plastiken f├╝r den urbanen Raum.

Das ┬╗Liegende Paar┬ź (1981) von Sabina Grzimek (3) im Prater Garten an der Kastanienallee ist ein Beispiel daf├╝r. Ein halb liegender Mann ist neben einer liegenden Frau auf einem niedrigen Betonsockel platziert. Die beiden Figuren ber├╝hren sich dabei kaum und scheinen ├╝ber dem Boden zu schweben. Die Beine des Paares ragen in die Luft, ebenso verlaufen die langen Haare der Frau senkrecht zum Boden und verst├Ąrken den schwebenden Eindruck. Die aufgeraute Oberfl├Ąche der Skulpturen verst├Ąrkt den fluiden Charakter. Diese Details geben dem filigranen Figurenensemble, neben dem zudem ein Brunnengef├Ą├č von der K├╝nstlerin platziert wurde, eine surrealistisch traumhafte Atmosph├Ąre.

Assoziationen wie Quelle und Ursprung, Natur und Mensch, Liebe und Fruchtbarkeit sind intendiert, werden aber durch die Leerstellen zwischen den Figuren und dem kelchartigen Brunnenobjekt offen gehalten. Eine andere, fr├╝here Skulptur von Sabina Grzimek, ┬╗Stehendes Paar┬ź von 1968 an der Gubitzstra├če Ecke Ostseestra├če, wirkt durch die zur├╝ckhaltende Gestik der Figuren, ihre kleinen K├Âpfe und ihr Nebeneinanderstehen (ohne sich zu ber├╝hren) ebenso seltsam entr├╝ckt. Die Bildhauerin Birgit Horota-M├╝ller (4) ist weniger bekannt als ihr Mann Stephan Horota, dessen zahlreiche Tierskulpturen in Parkanlagen stehen. Neben Grafiken und Lithografien von Tieren gestaltete Birgit Horota-M├╝ller eine zehn Meter lange Bronzetafel mit dem Titel ┬╗Aus der Geschichte des Bezirks Prenzlauer Berg von Berlin┬ź (1971). Diese ist an der Parkmauer des Einganges zum Volkspark Prenzlauer Berg befestigt und schildert die Geschichte des Prenzlauer Berges. In Reliefen stellt die K├╝nstlerin Szenen aus dem Kaiserreich, der Gr├╝nderzeit, dem nationalsozialistischen Deutschland sowie einen sowjetischen Soldaten dar und integriert in diese historische Chronologie K├╝nstlerinnen des Prenzlauer Berges: K├Ąthe Kollwitz, Heinrich Zille und der Architekt Hermann Henselmann sind bei ihren k├╝nstlerischen T├Ątigkeiten zu sehen; Eine sehenswerte Ostberliner Chronologie der Stadt.

 

In dem B├╝rgerpark Pankow befindet sich das Ensemble ┬╗Der Dichter und das M├Ądchen┬ź (1999) der Bildhauerin Sabine Teubner-Mbaye (5). Fichten ums├Ąumen die zweiteilige Skulptur und generieren eine pastorale Beschaulichkeit im Stadtpark. Die lebensgro├čen Skulpturen wurden dabei zu unterschiedlichen Zeitpunkten aufgestellt: Die liegende Figur ┬╗Der Dichter┬ź im Jahre 1989 und das stehende und kraftvoll wirkende ┬╗M├Ądchen┬ź nach der Wende im Jahre 1997. Dies mag ein Grund sein, warum die Figuren trotz eines klassischen BildhauerSujets individuell und solit├Ąr wirken. Eine Frauenfigur aus Sandstein mit abstrahierten K├Ârperformen (2002) der K├╝nstlerin ist gut sichtbar an der Stra├čenecke Florastra├če und G├Ârschstra├če platziert, und eine halbrunde Bank l├Ądt dort zum Verweilen ein. Der Titel ┬╗Bruch ist ganz┬ź l├Ąsst viele Deutungen zu.

 

 

 

 

Eine spannende Geschichte ist mit der Skulpturengruppe ┬╗Drei Frauen┬ź der Bildhauerin und Zeichnerin Carin Kreuzberg (6) verkn├╝pft. Urspr├╝nglich war es eine Auftragsarbeit (1979) f├╝r den Vorplatz des ÔÇ║VEB ElektrokeramikWerkesÔÇ╣ in der Florastra├če. Die Idee, drei Frauen f├╝r den Platz zu gestalten, kam der K├╝nstlerin, nachdem sie bei einer F├╝hrung die vielen Arbeiterinnen in der Werkhalle gesehen hatte. Kreuzberg schuf daraufhin ein Gipsmodell mit drei verschiedenen Frauentypen: Eine mutig Voranschreitende, eine Z├Âgerliche und eine in sich versunkene Tr├Ąumende. (7) Der Betriebsmeister lehnte Kreuzbergs feministische Sicht auf die Arbeitssituation ab und der K├╝nstlerin wurde der Auftrag entzogen. Durch den Kunstfonds der DDR konnte Kreuzberg jedoch ihre ┬╗Drei Frauen┬ź 1981 in Bronze gie├čen lassen. Da es im Bezirk Pankow kaum noch Platz f├╝r Skulpturen gab, lagerten die drei Frauenfiguren bis 1993 im Gr├╝nfl├Ąchenamt Pankow. 1993 wurden sie vom Gr├╝nfl├Ąchenamt auf einer Gr├╝nfl├Ąche am Elizabethweg Ecke Ossietzkystra├če (jetziger Standort) unweit des Schlossparks platziert. Jede Figur steht dabei auf einer eigenen, flachen Plinthe. Kurz nach der Aufstellung der Skulpturengruppe verdrehten Unbekannte die Frauenfigur ÔÇ║VoranschreitendeÔÇ╣ und r├╝ckten sie damit an die beiden anderen heran. Dadurch entstand eine bis heute andauernde kreisf├Ârmige Anordnung der Frauenfiguren und das Motiv der voranschreitenden, mutigen Frau wurde zum Verschwinden gebracht. Die Frage, wann Carin Kreuzbergs Skulpturengruppe ┬╗Drei Frauen┬ź so zu sehen sein, wie die K├╝nstlerin es konzipierte, ist auch eine feministischpolitische Frage zur Kunst im ├Âffentlichen Raum.

 

1 Der Verband Bildender K├╝nstler (VBK) wurde 1950 als Berufsorganisation der Bildenden K├╝nstler gegr├╝ndet. ┬╗Die Mitgliedschaft er├Âffnete den Zugang zum staatlichen Kunsthandel. Die Vergabe ├Âffentlicher Auftr├Ągen erfolgte nur an im Verband organiserte K├╝nstler. Zum Zeitpunkt seiner Aufl├Âsung 1990 hatte der VBK ca. 6.000 Mitglieder.┬ź, www.bildatlas-ddr-kunst.de/glossary/72, abgerufen am 20.11.2022.
2 Angelika Richter, ┬╗Das Gesetz der Szene. Genderkritik, Performance Art und zweite ├ľffentlichkeit in der sp├Ąten DDR┬ź, zitiert aus Fu├čnote 21, Bielefeld 2019, S. 42.
3 Sabina Grzimek (1942 geb. in Rom), in Berlin stehen u.a. die Skulptur ┬╗Mutter mit Kind┬ź (1976-1981), die der Widerstandsk├Ąmpferin Liselotte Herrmann 1909-1938 gewidmet ist, und der ┬╗Junge aus der Marienburgerstra├če┬ź (1968-1970).
4 Birgit Horota-M├╝ller (1936 Frankfurt (Oder) ÔÇô 2021 Berlin), deutsche Bildhauerin und Grafikerin. Eine Tierskulptur ┬╗B├Ąr┬ź (1966) steht auf dem Humanplatz an der Stahlheimerstra├če.
5 Sabine Teubner-Mbaye (1953 geb.), lebt in Berlin, bildhauerische und installative Arbeiten und Grafiken, www.sabine-teubner-mbaye.de.
6 Carin Kreuzberg (1935 in Berlin geb.), lebt in Berlin, zahlreiche Skulpturen im ├Âffentlichen Raum u.a. ┬╗Sitzendes Liebespaar┬ź, (1976), Breite Stra├če; ┬╗Stehender Junge┬ź (1985), Fr├Âbelstra├če; ┬╗Heinrich-Heine-Denkmal┬ź (1990), Heinrich-Heine-Stra├če; ┬╗Denkmal f├╝r E.T.A. Hoffmann┬ź
(1978-1979), urspr├╝nglicher Standort Gendarmenmarkt, heute Innenhof der Staatsbibliothek Berlin.
7 Alle Angaben zu der Skulpturengruppe ┬╗Drei Frauen┬ź stammen aus einem Interview mit Carin Kreuzberg und der Autorin vom 21.11.2022. Der Dokumentarfilm ┬╗Drei Frauen. Kreuzberg in Pankow┬ź (2021) von Annika Lewandowski stellt Carin Kreuzberg als K├╝nstlerin vor und schildert
zudem die Geschichte der Skulpturengruppe ┬╗Drei Frauen┬ź. Der Film erhielt 2022 den ersten Preis des Film Festivals ┬╗Woman over 50┬ź.

 

Die erste Abbildung zeigt „Drei Frauen“ von Carin Kreuzberg, ┬ę Birgit Szepanski
Das zweite Foto zeigt „Liegendes Paar“ von Sabrina Grzimek,┬ę Birgit Szepanski
Das dritte Fot zeigt „Dichter und M├Ądchen“ von Sabine Teubner-Mbaye, ┬ę Birgit Szepanski

 

Frauen in der Stadt. Skulpturen von Bildhauerinnen der DDR in Pankow Skulpturen, die von K├╝nstlerinnen f├╝r den ├Âffentlichen Raum in Berlin geschaffen wurden, sind seltener zu sehen als die von K├╝nstlern. Auch die Darstellung des weiblichen K├Ârpers in einer Skulptur wurde mehrheitlich von Bildhauern ausgef├╝hrt. Dieses Ungleichgewicht existierte auch in der DDR, obwohl dort die Gleichstellung von Mann und Frau politisch gef├Ârdert wurde. In der DDR bekamen prozentual mehr K├╝nstlerinnen Auftr├Ąge f├╝r Kunst-am-Bau-Projekte und Skulpturen im Stadtraum als in der BRD, aber aufgrund hierarchischer Strukturen blieben sie trotzdem in einer Minderheit. Allgemein erhielten honorierte Auftr├Ąge f├╝r Kunst-am-Bau-Projekte, Skulpturen und Ausstellungen in der DDR nur K├╝nstlerinnen, die eine Mitgliedschaft im Verein Bildender K├╝nstlervorweisen konnten. (1) Im Jahre 1988 waren im Verein Bildender K├╝nstler von insgesamt vierhundert bildhauerisch Arbeitenden nur einhundert K├╝nstlerinnen ÔÇô dies zeigt deutlich einen Gender-Gap. (2)

Dr. phil. in art. Birgit Szepanski
ist K├╝nstlerin, Autorin und Dozentin und lebt in Berlin. Nach ihrem Kunststudium an der Kunstakademie M├╝nster und
dem Masterstudium ÔÇ║Kunst im KontextÔÇ╣ an der Universit├Ąt der K├╝nste Berlin promovierte sie an der Hochschule f├╝r
bildende K├╝nste Hamburg zum Thema ┬╗Erz├Ąhlte Stadt┬ź (ver├Âffentlicht im transcript Verlag). Birgit Szepanski h├Ąlt
Gastvorlesungen und Vortr├Ąge zu ihren Forschungsthemen „Erz├Ąhlen in der bildenden Kunst und Stadtwahrnehmung“.
Ihre k├╝nstlerischen Arbeiten, die sich mit Erinnern und Erz├Ąhlen im dem urbanen Raum auseinandersetzen, zeigt sie regelm├Ą├čig in Ausstellungen.
www.birgitszepanski.de

Viele der Bildhauerinnen der DDR sind im Kunst- und Kulturgeschehen nach der Wende aus dem Blick geraten. Dabei haben figurative Skulpturen aus der DDR, die heute noch in vielen Parkanlagen und auf Wiesen zwischen Wohnsiedlungen zu finden sind, eine diskursive Aktualit├Ąt. Trotz stilisierter Skulptur-Figuren wie ┬╗Mutter mit Kind┬ź, ┬╗Tr├╝mmerfrau┬ź, ┬╗spielende M├Ądchen┬ź und zahlreiche weibliche Akte wird im Stadtbild die Sicht- und Unsichtbarkeit des Weiblichen ÔÇô als historisch relevante Figur, als k├╝nstlerische Urheberin und Gestalterin von Stadt ÔÇô deutlich. Es lohnt sich, sich diese skulpturalen Frauenfiguren bei Spazierg├Ąngen zum Beispiel in Pankow n├Ąher anzusehen. Einige von Bildhauerinnen der DDR geformte Skulpturen weichen mitunter von der sozialistisch-realistischen Formensprache ab und gestalten im vorgegeben Formenkatalog individuelle Plastiken f├╝r den urbanen Raum.

Das ┬╗Liegende Paar┬ź (1981) von Sabina Grzimek (3) im Prater Garten an der Kastanienallee ist ein Beispiel daf├╝r. Ein halb liegender Mann ist neben einer liegenden Frau auf einem niedrigen Betonsockel platziert. Die beiden Figuren ber├╝hren sich dabei kaum und scheinen ├╝ber dem Boden zu schweben. Die Beine des Paares ragen in die Luft, ebenso verlaufen die langen Haare der Frau senkrecht zum Boden und verst├Ąrken den schwebenden Eindruck. Die aufgeraute Oberfl├Ąche der Skulpturen verst├Ąrkt den fluiden Charakter. Diese Details geben dem filigranen Figurenensemble, neben dem zudem ein Brunnengef├Ą├č von der K├╝nstlerin platziert wurde, eine surrealistisch traumhafte Atmosph├Ąre.

Assoziationen wie Quelle und Ursprung, Natur und Mensch, Liebe und Fruchtbarkeit sind intendiert, werden aber durch die Leerstellen zwischen den Figuren und dem kelchartigen Brunnenobjekt offen gehalten. Eine andere, fr├╝here Skulptur von Sabina Grzimek, ┬╗Stehendes Paar┬ź von 1968 an der Gubitzstra├če Ecke Ostseestra├če, wirkt durch die zur├╝ckhaltende Gestik der Figuren, ihre kleinen K├Âpfe und ihr Nebeneinanderstehen (ohne sich zu ber├╝hren) ebenso seltsam entr├╝ckt. Die Bildhauerin Birgit Horota-M├╝ller (4) ist weniger bekannt als ihr Mann Stephan Horota, dessen zahlreiche Tierskulpturen in Parkanlagen stehen. Neben Grafiken und Lithografien von Tieren gestaltete Birgit Horota-M├╝ller eine zehn Meter lange Bronzetafel mit dem Titel ┬╗Aus der Geschichte des Bezirks Prenzlauer Berg von Berlin┬ź (1971). Diese ist an der Parkmauer des Einganges zum Volkspark Prenzlauer Berg befestigt und schildert die Geschichte des Prenzlauer Berges. In Reliefen stellt die K├╝nstlerin Szenen aus dem Kaiserreich, der Gr├╝nderzeit, dem nationalsozialistischen Deutschland sowie einen sowjetischen Soldaten dar und integriert in diese historische Chronologie K├╝nstlerinnen des Prenzlauer Berges: K├Ąthe Kollwitz, Heinrich Zille und der Architekt Hermann Henselmann sind bei ihren k├╝nstlerischen T├Ątigkeiten zu sehen; Eine sehenswerte Ostberliner Chronologie der Stadt.

 

In dem B├╝rgerpark Pankow befindet sich das Ensemble ┬╗Der Dichter und das M├Ądchen┬ź (1999) der Bildhauerin Sabine Teubner-Mbaye (5). Fichten ums├Ąumen die zweiteilige Skulptur und generieren eine pastorale Beschaulichkeit im Stadtpark. Die lebensgro├čen Skulpturen wurden dabei zu unterschiedlichen Zeitpunkten aufgestellt: Die liegende Figur ┬╗Der Dichter┬ź im Jahre 1989 und das stehende und kraftvoll wirkende ┬╗M├Ądchen┬ź nach der Wende im Jahre 1997. Dies mag ein Grund sein, warum die Figuren trotz eines klassischen BildhauerSujets individuell und solit├Ąr wirken. Eine Frauenfigur aus Sandstein mit abstrahierten K├Ârperformen (2002) der K├╝nstlerin ist gut sichtbar an der Stra├čenecke Florastra├če und G├Ârschstra├če platziert, und eine halbrunde Bank l├Ądt dort zum Verweilen ein. Der Titel ┬╗Bruch ist ganz┬ź l├Ąsst viele Deutungen zu.

 

 

 

 

Eine spannende Geschichte ist mit der Skulpturengruppe ┬╗Drei Frauen┬ź der Bildhauerin und Zeichnerin Carin Kreuzberg (6) verkn├╝pft. Urspr├╝nglich war es eine Auftragsarbeit (1979) f├╝r den Vorplatz des ÔÇ║VEB ElektrokeramikWerkesÔÇ╣ in der Florastra├če. Die Idee, drei Frauen f├╝r den Platz zu gestalten, kam der K├╝nstlerin, nachdem sie bei einer F├╝hrung die vielen Arbeiterinnen in der Werkhalle gesehen hatte. Kreuzberg schuf daraufhin ein Gipsmodell mit drei verschiedenen Frauentypen: Eine mutig Voranschreitende, eine Z├Âgerliche und eine in sich versunkene Tr├Ąumende. (7) Der Betriebsmeister lehnte Kreuzbergs feministische Sicht auf die Arbeitssituation ab und der K├╝nstlerin wurde der Auftrag entzogen. Durch den Kunstfonds der DDR konnte Kreuzberg jedoch ihre ┬╗Drei Frauen┬ź 1981 in Bronze gie├čen lassen. Da es im Bezirk Pankow kaum noch Platz f├╝r Skulpturen gab, lagerten die drei Frauenfiguren bis 1993 im Gr├╝nfl├Ąchenamt Pankow. 1993 wurden sie vom Gr├╝nfl├Ąchenamt auf einer Gr├╝nfl├Ąche am Elizabethweg Ecke Ossietzkystra├če (jetziger Standort) unweit des Schlossparks platziert. Jede Figur steht dabei auf einer eigenen, flachen Plinthe. Kurz nach der Aufstellung der Skulpturengruppe verdrehten Unbekannte die Frauenfigur ÔÇ║VoranschreitendeÔÇ╣ und r├╝ckten sie damit an die beiden anderen heran. Dadurch entstand eine bis heute andauernde kreisf├Ârmige Anordnung der Frauenfiguren und das Motiv der voranschreitenden, mutigen Frau wurde zum Verschwinden gebracht. Die Frage, wann Carin Kreuzbergs Skulpturengruppe ┬╗Drei Frauen┬ź so zu sehen sein, wie die K├╝nstlerin es konzipierte, ist auch eine feministischpolitische Frage zur Kunst im ├Âffentlichen Raum.

 

1 Der Verband Bildender K├╝nstler (VBK) wurde 1950 als Berufsorganisation der Bildenden K├╝nstler gegr├╝ndet. ┬╗Die Mitgliedschaft er├Âffnete den Zugang zum staatlichen Kunsthandel. Die Vergabe ├Âffentlicher Auftr├Ągen erfolgte nur an im Verband organiserte K├╝nstler. Zum Zeitpunkt seiner Aufl├Âsung 1990 hatte der VBK ca. 6.000 Mitglieder.┬ź, www.bildatlas-ddr-kunst.de/glossary/72, abgerufen am 20.11.2022.
2 Angelika Richter, ┬╗Das Gesetz der Szene. Genderkritik, Performance Art und zweite ├ľffentlichkeit in der sp├Ąten DDR┬ź, zitiert aus Fu├čnote 21, Bielefeld 2019, S. 42.
3 Sabina Grzimek (1942 geb. in Rom), in Berlin stehen u.a. die Skulptur ┬╗Mutter mit Kind┬ź (1976-1981), die der Widerstandsk├Ąmpferin Liselotte Herrmann 1909-1938 gewidmet ist, und der ┬╗Junge aus der Marienburgerstra├če┬ź (1968-1970).
4 Birgit Horota-M├╝ller (1936 Frankfurt (Oder) ÔÇô 2021 Berlin), deutsche Bildhauerin und Grafikerin. Eine Tierskulptur ┬╗B├Ąr┬ź (1966) steht auf dem Humanplatz an der Stahlheimerstra├če.
5 Sabine Teubner-Mbaye (1953 geb.), lebt in Berlin, bildhauerische und installative Arbeiten und Grafiken, www.sabine-teubner-mbaye.de.
6 Carin Kreuzberg (1935 in Berlin geb.), lebt in Berlin, zahlreiche Skulpturen im ├Âffentlichen Raum u.a. ┬╗Sitzendes Liebespaar┬ź, (1976), Breite Stra├če; ┬╗Stehender Junge┬ź (1985), Fr├Âbelstra├če; ┬╗Heinrich-Heine-Denkmal┬ź (1990), Heinrich-Heine-Stra├če; ┬╗Denkmal f├╝r E.T.A. Hoffmann┬ź
(1978-1979), urspr├╝nglicher Standort Gendarmenmarkt, heute Innenhof der Staatsbibliothek Berlin.
7 Alle Angaben zu der Skulpturengruppe ┬╗Drei Frauen┬ź stammen aus einem Interview mit Carin Kreuzberg und der Autorin vom 21.11.2022. Der Dokumentarfilm ┬╗Drei Frauen. Kreuzberg in Pankow┬ź (2021) von Annika Lewandowski stellt Carin Kreuzberg als K├╝nstlerin vor und schildert
zudem die Geschichte der Skulpturengruppe ┬╗Drei Frauen┬ź. Der Film erhielt 2022 den ersten Preis des Film Festivals ┬╗Woman over 50┬ź.

 

Die erste Abbildung zeigt „Drei Frauen“ von Carin Kreuzberg, ┬ę Birgit Szepanski
Das zweite Foto zeigt „Liegendes Paar“ von Sabrina Grzimek,┬ę Birgit Szepanski
Das dritte Fot zeigt „Dichter und M├Ądchen“ von Sabine Teubner-Mbaye, ┬ę Birgit Szepanski

 

Frauen in der Stadt. Skulpturen von Bildhauerinnen der DDR in Pankow Skulpturen, die von K├╝nstlerinnen f├╝r den ├Âffentlichen Raum in Berlin geschaffen wurden, sind seltener zu sehen als die von K├╝nstlern. Auch die Darstellung des weiblichen K├Ârpers in einer Skulptur wurde mehrheitlich von Bildhauern ausgef├╝hrt. Dieses Ungleichgewicht existierte auch in der DDR, obwohl dort die Gleichstellung von Mann und Frau politisch gef├Ârdert wurde. In der DDR bekamen prozentual mehr K├╝nstlerinnen Auftr├Ąge f├╝r Kunst-am-Bau-Projekte und Skulpturen im Stadtraum als in der BRD, aber aufgrund hierarchischer Strukturen blieben sie trotzdem in einer Minderheit. Allgemein erhielten honorierte Auftr├Ąge f├╝r Kunst-am-Bau-Projekte, Skulpturen und Ausstellungen in der DDR nur K├╝nstlerinnen, die eine Mitgliedschaft im Verein Bildender K├╝nstlervorweisen konnten. (1) Im Jahre 1988 waren im Verein Bildender K├╝nstler von insgesamt vierhundert bildhauerisch Arbeitenden nur einhundert K├╝nstlerinnen ÔÇô dies zeigt deutlich einen Gender-Gap. (2)

Dr. phil. in art. Birgit Szepanski
ist K├╝nstlerin, Autorin und Dozentin und lebt in Berlin. Nach ihrem Kunststudium an der Kunstakademie M├╝nster und
dem Masterstudium ÔÇ║Kunst im KontextÔÇ╣ an der Universit├Ąt der K├╝nste Berlin promovierte sie an der Hochschule f├╝r
bildende K├╝nste Hamburg zum Thema ┬╗Erz├Ąhlte Stadt┬ź (ver├Âffentlicht im transcript Verlag). Birgit Szepanski h├Ąlt
Gastvorlesungen und Vortr├Ąge zu ihren Forschungsthemen „Erz├Ąhlen in der bildenden Kunst und Stadtwahrnehmung“.
Ihre k├╝nstlerischen Arbeiten, die sich mit Erinnern und Erz├Ąhlen im dem urbanen Raum auseinandersetzen, zeigt sie regelm├Ą├čig in Ausstellungen.
www.birgitszepanski.de

Frauen in der Stadt. Skulpturen von Bildhauerinnen der DDR in Pankow

Skulpturen, die von K├╝nstlerinnen f├╝r den ├Âffentlichen Raum in Berlin geschaffen wurden, sind seltener zu sehen als die von K├╝nstlern.
Auch die Darstellung des weiblichen K├Ârpers in einer Skulptur wurde mehrheitlich von Bildhauern ausgef├╝hrt.
Dieses Ungleichgewicht existierte auch in der DDR, obwohl dort die Gleichstellung von Mann und Frau politisch gef├Ârdert wurde. In der DDR bekamen prozentual mehr K├╝nstlerinnen Auftr├Ąge f├╝r Kunst-am-Bau-Projekte und Skulpturen im Stadtraum als in der BRD, aber aufgrund hierarchischer Strukturen blieben sie trotzdem in einer Minderheit. Allgemein erhielten honorierte Auftr├Ąge f├╝r Kunst-am-Bau-Projekte, Skulpturen und Ausstellungen in der DDR nur K├╝nstlerinnen, die eine Mitgliedschaft im Verein Bildender K├╝nstlervorweisen konnten. (1) Im Jahre 1988 waren im Verein Bildender K├╝nstler von insgesamt vierhundert bildhauerisch Arbeitenden nur einhundert K├╝nstlerinnen ÔÇô dies zeigt deutlich einen Gender-Gap. (2)

Viele der Bildhauerinnen der DDR sind im Kunst- und Kulturgeschehen nach der Wende aus dem Blick geraten. Dabei haben figurative Skulpturen aus der DDR, die heute noch in vielen Parkanlagen und auf Wiesen zwischen Wohnsiedlungen zu finden sind, eine diskursive Aktualit├Ąt. Trotz stilisierter Skulptur-Figuren wie ┬╗Mutter mit Kind┬ź, ┬╗Tr├╝mmerfrau┬ź, ┬╗spielende M├Ądchen┬ź und zahlreiche weibliche Akte wird im Stadtbild die Sicht- und Unsichtbarkeit des Weiblichen ÔÇô als historisch relevante Figur, als k├╝nstlerische Urheberin und Gestalterin von Stadt ÔÇô deutlich. Es lohnt sich, sich diese skulpturalen Frauenfiguren bei Spazierg├Ąngen zum Beispiel in Pankow n├Ąher anzusehen. Einige von Bildhauerinnen der DDR geformte Skulpturen weichen mitunter von der sozialistisch-realistischen Formensprache ab und gestalten im vorgegeben Formenkatalog individuelle Plastiken f├╝r den urbanen Raum.

Das ┬╗Liegende Paar┬ź (1981) von Sabina Grzimek (3) im Prater Garten an der Kastanienallee ist ein Beispiel daf├╝r. Ein halb liegender Mann ist neben einer liegenden Frau auf einem niedrigen Betonsockel platziert. Die beiden Figuren ber├╝hren sich dabei kaum und scheinen ├╝ber dem Boden zu schweben. Die Beine des Paares ragen in die Luft, ebenso verlaufen die langen Haare der Frau senkrecht zum Boden und verst├Ąrken den schwebenden Eindruck. Die aufgeraute Oberfl├Ąche der Skulpturen verst├Ąrkt den fluiden Charakter. Diese Details geben dem filigranen Figurenensemble, neben dem zudem ein Brunnengef├Ą├č von der K├╝nstlerin platziert wurde, eine surrealistisch traumhafte Atmosph├Ąre.

Assoziationen wie Quelle und Ursprung, Natur und Mensch, Liebe und Fruchtbarkeit sind intendiert, werden aber durch die Leerstellen zwischen den Figuren und dem kelchartigen Brunnenobjekt offen gehalten. Eine andere, fr├╝here Skulptur von Sabina Grzimek, ┬╗Stehendes Paar┬ź von 1968 an der Gubitzstra├če Ecke Ostseestra├če, wirkt durch die zur├╝ckhaltende Gestik der Figuren, ihre kleinen K├Âpfe und ihr Nebeneinanderstehen (ohne sich zu ber├╝hren) ebenso seltsam entr├╝ckt. Die Bildhauerin Birgit Horota-M├╝ller (4) ist weniger bekannt als ihr Mann Stephan Horota, dessen zahlreiche Tierskulpturen in Parkanlagen stehen. Neben Grafiken und Lithografien von Tieren gestaltete Birgit Horota-M├╝ller eine zehn Meter lange Bronzetafel mit dem Titel ┬╗Aus der Geschichte des Bezirks Prenzlauer Berg von Berlin┬ź (1971). Diese ist an der Parkmauer des Einganges zum Volkspark Prenzlauer Berg befestigt und schildert die Geschichte des Prenzlauer Berges. In Reliefen stellt die K├╝nstlerin Szenen aus dem Kaiserreich, der Gr├╝nderzeit, dem nationalsozialistischen Deutschland sowie einen sowjetischen Soldaten dar und integriert in diese historische Chronologie K├╝nstlerinnen des Prenzlauer Berges: K├Ąthe Kollwitz, Heinrich Zille und der Architekt Hermann Henselmann sind bei ihren k├╝nstlerischen T├Ątigkeiten zu sehen; Eine sehenswerte Ostberliner Chronologie der Stadt.

 

In dem B├╝rgerpark Pankow befindet sich das Ensemble ┬╗Der Dichter und das M├Ądchen┬ź (1999) der Bildhauerin Sabine Teubner-Mbaye (5). Fichten ums├Ąumen die zweiteilige Skulptur und generieren eine pastorale Beschaulichkeit im Stadtpark. Die lebensgro├čen Skulpturen wurden dabei zu unterschiedlichen Zeitpunkten aufgestellt: Die liegende Figur ┬╗Der Dichter┬ź im Jahre 1989 und das stehende und kraftvoll wirkende ┬╗M├Ądchen┬ź nach der Wende im Jahre 1997. Dies mag ein Grund sein, warum die Figuren trotz eines klassischen BildhauerSujets individuell und solit├Ąr wirken. Eine Frauenfigur aus Sandstein mit abstrahierten K├Ârperformen (2002) der K├╝nstlerin ist gut sichtbar an der Stra├čenecke Florastra├če und G├Ârschstra├če platziert, und eine halbrunde Bank l├Ądt dort zum Verweilen ein. Der Titel ┬╗Bruch ist ganz┬ź l├Ąsst viele Deutungen zu.

 

 

 

 

Eine spannende Geschichte ist mit der Skulpturengruppe ┬╗Drei Frauen┬ź der Bildhauerin und Zeichnerin Carin Kreuzberg (6) verkn├╝pft. Urspr├╝nglich war es eine Auftragsarbeit (1979) f├╝r den Vorplatz des ÔÇ║VEB ElektrokeramikWerkesÔÇ╣ in der Florastra├če. Die Idee, drei Frauen f├╝r den Platz zu gestalten, kam der K├╝nstlerin, nachdem sie bei einer F├╝hrung die vielen Arbeiterinnen in der Werkhalle gesehen hatte. Kreuzberg schuf daraufhin ein Gipsmodell mit drei verschiedenen Frauentypen: Eine mutig Voranschreitende, eine Z├Âgerliche und eine in sich versunkene Tr├Ąumende. (7) Der Betriebsmeister lehnte Kreuzbergs feministische Sicht auf die Arbeitssituation ab und der K├╝nstlerin wurde der Auftrag entzogen. Durch den Kunstfonds der DDR konnte Kreuzberg jedoch ihre ┬╗Drei Frauen┬ź 1981 in Bronze gie├čen lassen. Da es im Bezirk Pankow kaum noch Platz f├╝r Skulpturen gab, lagerten die drei Frauenfiguren bis 1993 im Gr├╝nfl├Ąchenamt Pankow. 1993 wurden sie vom Gr├╝nfl├Ąchenamt auf einer Gr├╝nfl├Ąche am Elizabethweg Ecke Ossietzkystra├če (jetziger Standort) unweit des Schlossparks platziert. Jede Figur steht dabei auf einer eigenen, flachen Plinthe. Kurz nach der Aufstellung der Skulpturengruppe verdrehten Unbekannte die Frauenfigur ÔÇ║VoranschreitendeÔÇ╣ und r├╝ckten sie damit an die beiden anderen heran. Dadurch entstand eine bis heute andauernde kreisf├Ârmige Anordnung der Frauenfiguren und das Motiv der voranschreitenden, mutigen Frau wurde zum Verschwinden gebracht. Die Frage, wann Carin Kreuzbergs Skulpturengruppe ┬╗Drei Frauen┬ź so zu sehen sein, wie die K├╝nstlerin es konzipierte, ist auch eine feministischpolitische Frage zur Kunst im ├Âffentlichen Raum.

 

1 Der Verband Bildender K├╝nstler (VBK) wurde 1950 als Berufsorganisation der Bildenden K├╝nstler gegr├╝ndet. ┬╗Die Mitgliedschaft er├Âffnete den Zugang zum staatlichen Kunsthandel. Die Vergabe ├Âffentlicher Auftr├Ągen erfolgte nur an im Verband organiserte K├╝nstler. Zum Zeitpunkt seiner Aufl├Âsung 1990 hatte der VBK ca. 6.000 Mitglieder.┬ź, www.bildatlas-ddr-kunst.de/glossary/72, abgerufen am 20.11.2022.
2 Angelika Richter, ┬╗Das Gesetz der Szene. Genderkritik, Performance Art und zweite ├ľffentlichkeit in der sp├Ąten DDR┬ź, zitiert aus Fu├čnote 21, Bielefeld 2019, S. 42.
3 Sabina Grzimek (1942 geb. in Rom), in Berlin stehen u.a. die Skulptur ┬╗Mutter mit Kind┬ź (1976-1981), die der Widerstandsk├Ąmpferin Liselotte Herrmann 1909-1938 gewidmet ist, und der ┬╗Junge aus der Marienburgerstra├če┬ź (1968-1970).
4 Birgit Horota-M├╝ller (1936 Frankfurt (Oder) ÔÇô 2021 Berlin), deutsche Bildhauerin und Grafikerin. Eine Tierskulptur ┬╗B├Ąr┬ź (1966) steht auf dem Humanplatz an der Stahlheimerstra├če.
5 Sabine Teubner-Mbaye (1953 geb.), lebt in Berlin, bildhauerische und installative Arbeiten und Grafiken, www.sabine-teubner-mbaye.de.
6 Carin Kreuzberg (1935 in Berlin geb.), lebt in Berlin, zahlreiche Skulpturen im ├Âffentlichen Raum u.a. ┬╗Sitzendes Liebespaar┬ź, (1976), Breite Stra├če; ┬╗Stehender Junge┬ź (1985), Fr├Âbelstra├če; ┬╗Heinrich-Heine-Denkmal┬ź (1990), Heinrich-Heine-Stra├če; ┬╗Denkmal f├╝r E.T.A. Hoffmann┬ź
(1978-1979), urspr├╝nglicher Standort Gendarmenmarkt, heute Innenhof der Staatsbibliothek Berlin.
7 Alle Angaben zu der Skulpturengruppe ┬╗Drei Frauen┬ź stammen aus einem Interview mit Carin Kreuzberg und der Autorin vom 21.11.2022. Der Dokumentarfilm ┬╗Drei Frauen. Kreuzberg in Pankow┬ź (2021) von Annika Lewandowski stellt Carin Kreuzberg als K├╝nstlerin vor und schildert
zudem die Geschichte der Skulpturengruppe ┬╗Drei Frauen┬ź. Der Film erhielt 2022 den ersten Preis des Film Festivals ┬╗Woman over 50┬ź.

 

Die erste Abbildung zeigt „Drei Frauen“ von Carin Kreuzberg, ┬ę Birgit Szepanski
Das zweite Foto zeigt „Liegendes Paar“ von Sabrina Grzimek,┬ę Birgit Szepanski
Das dritte Fot zeigt „Dichter und M├Ądchen“ von Sabine Teubner-Mbaye, ┬ę Birgit Szepanski

 

Frauen in der Stadt. Skulpturen von Bildhauerinnen der DDR in Pankow Skulpturen, die von K├╝nstlerinnen f├╝r den ├Âffentlichen Raum in Berlin geschaffen wurden, sind seltener zu sehen als die von K├╝nstlern. Auch die Darstellung des weiblichen K├Ârpers in einer Skulptur wurde mehrheitlich von Bildhauern ausgef├╝hrt. Dieses Ungleichgewicht existierte auch in der DDR, obwohl dort die Gleichstellung von Mann und Frau politisch gef├Ârdert wurde. In der DDR bekamen prozentual mehr K├╝nstlerinnen Auftr├Ąge f├╝r Kunst-am-Bau-Projekte und Skulpturen im Stadtraum als in der BRD, aber aufgrund hierarchischer Strukturen blieben sie trotzdem in einer Minderheit. Allgemein erhielten honorierte Auftr├Ąge f├╝r Kunst-am-Bau-Projekte, Skulpturen und Ausstellungen in der DDR nur K├╝nstlerinnen, die eine Mitgliedschaft im Verein Bildender K├╝nstlervorweisen konnten. (1) Im Jahre 1988 waren im Verein Bildender K├╝nstler von insgesamt vierhundert bildhauerisch Arbeitenden nur einhundert K├╝nstlerinnen ÔÇô dies zeigt deutlich einen Gender-Gap. (2)

Dr. phil. in art. Birgit Szepanski
ist K├╝nstlerin, Autorin und Dozentin und lebt in Berlin. Nach ihrem Kunststudium an der Kunstakademie M├╝nster und
dem Masterstudium ÔÇ║Kunst im KontextÔÇ╣ an der Universit├Ąt der K├╝nste Berlin promovierte sie an der Hochschule f├╝r
bildende K├╝nste Hamburg zum Thema ┬╗Erz├Ąhlte Stadt┬ź (ver├Âffentlicht im transcript Verlag). Birgit Szepanski h├Ąlt
Gastvorlesungen und Vortr├Ąge zu ihren Forschungsthemen „Erz├Ąhlen in der bildenden Kunst und Stadtwahrnehmung“.
Ihre k├╝nstlerischen Arbeiten, die sich mit Erinnern und Erz├Ąhlen im dem urbanen Raum auseinandersetzen, zeigt sie regelm├Ą├čig in Ausstellungen.
www.birgitszepanski.de

Frauen in der Stadt. Skulpturen von Bildhauerinnen der DDR in Pankow

Skulpturen, die von K├╝nstlerinnen f├╝r den ├Âffentlichen Raum in Berlin geschaffen wurden, sind seltener zu sehen als die von K├╝nstlern.
Auch die Darstellung des weiblichen K├Ârpers in einer Skulptur wurde mehrheitlich von Bildhauern ausgef├╝hrt.
Dieses Ungleichgewicht existierte auch in der DDR, obwohl dort die Gleichstellung von Mann und Frau politisch gef├Ârdert wurde. In der DDR bekamen prozentual mehr K├╝nstlerinnen Auftr├Ąge f├╝r Kunst-am-Bau-Projekte und Skulpturen im Stadtraum als in der BRD, aber aufgrund hierarchischer Strukturen blieben sie trotzdem in einer Minderheit. Allgemein erhielten honorierte Auftr├Ąge f├╝r Kunst-am-Bau-Projekte, Skulpturen und Ausstellungen in der DDR nur K├╝nstlerinnen, die eine Mitgliedschaft im Verein Bildender K├╝nstlervorweisen konnten. (1) Im Jahre 1988 waren im Verein Bildender K├╝nstler von insgesamt vierhundert bildhauerisch Arbeitenden nur einhundert K├╝nstlerinnen ÔÇô dies zeigt deutlich einen Gender-Gap. (2)

Viele der Bildhauerinnen der DDR sind im Kunst- und Kulturgeschehen nach der Wende aus dem Blick geraten. Dabei haben figurative Skulpturen aus der DDR, die heute noch in vielen Parkanlagen und auf Wiesen zwischen Wohnsiedlungen zu finden sind, eine diskursive Aktualit├Ąt. Trotz stilisierter Skulptur-Figuren wie ┬╗Mutter mit Kind┬ź, ┬╗Tr├╝mmerfrau┬ź, ┬╗spielende M├Ądchen┬ź und zahlreiche weibliche Akte wird im Stadtbild die Sicht- und Unsichtbarkeit des Weiblichen ÔÇô als historisch relevante Figur, als k├╝nstlerische Urheberin und Gestalterin von Stadt ÔÇô deutlich. Es lohnt sich, sich diese skulpturalen Frauenfiguren bei Spazierg├Ąngen zum Beispiel in Pankow n├Ąher anzusehen. Einige von Bildhauerinnen der DDR geformte Skulpturen weichen mitunter von der sozialistisch-realistischen Formensprache ab und gestalten im vorgegeben Formenkatalog individuelle Plastiken f├╝r den urbanen Raum.

Das ┬╗Liegende Paar┬ź (1981) von Sabina Grzimek (3) im Prater Garten an der Kastanienallee ist ein Beispiel daf├╝r. Ein halb liegender Mann ist neben einer liegenden Frau auf einem niedrigen Betonsockel platziert. Die beiden Figuren ber├╝hren sich dabei kaum und scheinen ├╝ber dem Boden zu schweben. Die Beine des Paares ragen in die Luft, ebenso verlaufen die langen Haare der Frau senkrecht zum Boden und verst├Ąrken den schwebenden Eindruck. Die aufgeraute Oberfl├Ąche der Skulpturen verst├Ąrkt den fluiden Charakter. Diese Details geben dem filigranen Figurenensemble, neben dem zudem ein Brunnengef├Ą├č von der K├╝nstlerin platziert wurde, eine surrealistisch traumhafte Atmosph├Ąre.

Assoziationen wie Quelle und Ursprung, Natur und Mensch, Liebe und Fruchtbarkeit sind intendiert, werden aber durch die Leerstellen zwischen den Figuren und dem kelchartigen Brunnenobjekt offen gehalten. Eine andere, fr├╝here Skulptur von Sabina Grzimek, ┬╗Stehendes Paar┬ź von 1968 an der Gubitzstra├če Ecke Ostseestra├če, wirkt durch die zur├╝ckhaltende Gestik der Figuren, ihre kleinen K├Âpfe und ihr Nebeneinanderstehen (ohne sich zu ber├╝hren) ebenso seltsam entr├╝ckt. Die Bildhauerin Birgit Horota-M├╝ller (4) ist weniger bekannt als ihr Mann Stephan Horota, dessen zahlreiche Tierskulpturen in Parkanlagen stehen. Neben Grafiken und Lithografien von Tieren gestaltete Birgit Horota-M├╝ller eine zehn Meter lange Bronzetafel mit dem Titel ┬╗Aus der Geschichte des Bezirks Prenzlauer Berg von Berlin┬ź (1971). Diese ist an der Parkmauer des Einganges zum Volkspark Prenzlauer Berg befestigt und schildert die Geschichte des Prenzlauer Berges. In Reliefen stellt die K├╝nstlerin Szenen aus dem Kaiserreich, der Gr├╝nderzeit, dem nationalsozialistischen Deutschland sowie einen sowjetischen Soldaten dar und integriert in diese historische Chronologie K├╝nstlerinnen des Prenzlauer Berges: K├Ąthe Kollwitz, Heinrich Zille und der Architekt Hermann Henselmann sind bei ihren k├╝nstlerischen T├Ątigkeiten zu sehen; Eine sehenswerte Ostberliner Chronologie der Stadt.

 

In dem B├╝rgerpark Pankow befindet sich das Ensemble ┬╗Der Dichter und das M├Ądchen┬ź (1999) der Bildhauerin Sabine Teubner-Mbaye (5). Fichten ums├Ąumen die zweiteilige Skulptur und generieren eine pastorale Beschaulichkeit im Stadtpark. Die lebensgro├čen Skulpturen wurden dabei zu unterschiedlichen Zeitpunkten aufgestellt: Die liegende Figur ┬╗Der Dichter┬ź im Jahre 1989 und das stehende und kraftvoll wirkende ┬╗M├Ądchen┬ź nach der Wende im Jahre 1997. Dies mag ein Grund sein, warum die Figuren trotz eines klassischen BildhauerSujets individuell und solit├Ąr wirken. Eine Frauenfigur aus Sandstein mit abstrahierten K├Ârperformen (2002) der K├╝nstlerin ist gut sichtbar an der Stra├čenecke Florastra├če und G├Ârschstra├če platziert, und eine halbrunde Bank l├Ądt dort zum Verweilen ein. Der Titel ┬╗Bruch ist ganz┬ź l├Ąsst viele Deutungen zu.

 

 

 

 

Eine spannende Geschichte ist mit der Skulpturengruppe ┬╗Drei Frauen┬ź der Bildhauerin und Zeichnerin Carin Kreuzberg (6) verkn├╝pft. Urspr├╝nglich war es eine Auftragsarbeit (1979) f├╝r den Vorplatz des ÔÇ║VEB ElektrokeramikWerkesÔÇ╣ in der Florastra├če. Die Idee, drei Frauen f├╝r den Platz zu gestalten, kam der K├╝nstlerin, nachdem sie bei einer F├╝hrung die vielen Arbeiterinnen in der Werkhalle gesehen hatte. Kreuzberg schuf daraufhin ein Gipsmodell mit drei verschiedenen Frauentypen: Eine mutig Voranschreitende, eine Z├Âgerliche und eine in sich versunkene Tr├Ąumende. (7) Der Betriebsmeister lehnte Kreuzbergs feministische Sicht auf die Arbeitssituation ab und der K├╝nstlerin wurde der Auftrag entzogen. Durch den Kunstfonds der DDR konnte Kreuzberg jedoch ihre ┬╗Drei Frauen┬ź 1981 in Bronze gie├čen lassen. Da es im Bezirk Pankow kaum noch Platz f├╝r Skulpturen gab, lagerten die drei Frauenfiguren bis 1993 im Gr├╝nfl├Ąchenamt Pankow. 1993 wurden sie vom Gr├╝nfl├Ąchenamt auf einer Gr├╝nfl├Ąche am Elizabethweg Ecke Ossietzkystra├če (jetziger Standort) unweit des Schlossparks platziert. Jede Figur steht dabei auf einer eigenen, flachen Plinthe. Kurz nach der Aufstellung der Skulpturengruppe verdrehten Unbekannte die Frauenfigur ÔÇ║VoranschreitendeÔÇ╣ und r├╝ckten sie damit an die beiden anderen heran. Dadurch entstand eine bis heute andauernde kreisf├Ârmige Anordnung der Frauenfiguren und das Motiv der voranschreitenden, mutigen Frau wurde zum Verschwinden gebracht. Die Frage, wann Carin Kreuzbergs Skulpturengruppe ┬╗Drei Frauen┬ź so zu sehen sein, wie die K├╝nstlerin es konzipierte, ist auch eine feministischpolitische Frage zur Kunst im ├Âffentlichen Raum.

 

1 Der Verband Bildender K├╝nstler (VBK) wurde 1950 als Berufsorganisation der Bildenden K├╝nstler gegr├╝ndet. ┬╗Die Mitgliedschaft er├Âffnete den Zugang zum staatlichen Kunsthandel. Die Vergabe ├Âffentlicher Auftr├Ągen erfolgte nur an im Verband organiserte K├╝nstler. Zum Zeitpunkt seiner Aufl├Âsung 1990 hatte der VBK ca. 6.000 Mitglieder.┬ź, www.bildatlas-ddr-kunst.de/glossary/72, abgerufen am 20.11.2022.
2 Angelika Richter, ┬╗Das Gesetz der Szene. Genderkritik, Performance Art und zweite ├ľffentlichkeit in der sp├Ąten DDR┬ź, zitiert aus Fu├čnote 21, Bielefeld 2019, S. 42.
3 Sabina Grzimek (1942 geb. in Rom), in Berlin stehen u.a. die Skulptur ┬╗Mutter mit Kind┬ź (1976-1981), die der Widerstandsk├Ąmpferin Liselotte Herrmann 1909-1938 gewidmet ist, und der ┬╗Junge aus der Marienburgerstra├če┬ź (1968-1970).
4 Birgit Horota-M├╝ller (1936 Frankfurt (Oder) ÔÇô 2021 Berlin), deutsche Bildhauerin und Grafikerin. Eine Tierskulptur ┬╗B├Ąr┬ź (1966) steht auf dem Humanplatz an der Stahlheimerstra├če.
5 Sabine Teubner-Mbaye (1953 geb.), lebt in Berlin, bildhauerische und installative Arbeiten und Grafiken, www.sabine-teubner-mbaye.de.
6 Carin Kreuzberg (1935 in Berlin geb.), lebt in Berlin, zahlreiche Skulpturen im ├Âffentlichen Raum u.a. ┬╗Sitzendes Liebespaar┬ź, (1976), Breite Stra├če; ┬╗Stehender Junge┬ź (1985), Fr├Âbelstra├če; ┬╗Heinrich-Heine-Denkmal┬ź (1990), Heinrich-Heine-Stra├če; ┬╗Denkmal f├╝r E.T.A. Hoffmann┬ź
(1978-1979), urspr├╝nglicher Standort Gendarmenmarkt, heute Innenhof der Staatsbibliothek Berlin.
7 Alle Angaben zu der Skulpturengruppe ┬╗Drei Frauen┬ź stammen aus einem Interview mit Carin Kreuzberg und der Autorin vom 21.11.2022. Der Dokumentarfilm ┬╗Drei Frauen. Kreuzberg in Pankow┬ź (2021) von Annika Lewandowski stellt Carin Kreuzberg als K├╝nstlerin vor und schildert
zudem die Geschichte der Skulpturengruppe ┬╗Drei Frauen┬ź. Der Film erhielt 2022 den ersten Preis des Film Festivals ┬╗Woman over 50┬ź.

 

Die erste Abbildung zeigt „Drei Frauen“ von Carin Kreuzberg, ┬ę Birgit Szepanski
Das zweite Foto zeigt „Liegendes Paar“ von Sabrina Grzimek,┬ę Birgit Szepanski
Das dritte Fot zeigt „Dichter und M├Ądchen“ von Sabine Teubner-Mbaye, ┬ę Birgit Szepanski

 

Frauen in der Stadt. Skulpturen von Bildhauerinnen der DDR in Pankow Skulpturen, die von K├╝nstlerinnen f├╝r den ├Âffentlichen Raum in Berlin geschaffen wurden, sind seltener zu sehen als die von K├╝nstlern. Auch die Darstellung des weiblichen K├Ârpers in einer Skulptur wurde mehrheitlich von Bildhauern ausgef├╝hrt. Dieses Ungleichgewicht existierte auch in der DDR, obwohl dort die Gleichstellung von Mann und Frau politisch gef├Ârdert wurde. In der DDR bekamen prozentual mehr K├╝nstlerinnen Auftr├Ąge f├╝r Kunst-am-Bau-Projekte und Skulpturen im Stadtraum als in der BRD, aber aufgrund hierarchischer Strukturen blieben sie trotzdem in einer Minderheit. Allgemein erhielten honorierte Auftr├Ąge f├╝r Kunst-am-Bau-Projekte, Skulpturen und Ausstellungen in der DDR nur K├╝nstlerinnen, die eine Mitgliedschaft im Verein Bildender K├╝nstlervorweisen konnten. (1) Im Jahre 1988 waren im Verein Bildender K├╝nstler von insgesamt vierhundert bildhauerisch Arbeitenden nur einhundert K├╝nstlerinnen ÔÇô dies zeigt deutlich einen Gender-Gap. (2)

Dr. phil. in art. Birgit Szepanski
ist K├╝nstlerin, Autorin und Dozentin und lebt in Berlin. Nach ihrem Kunststudium an der Kunstakademie M├╝nster und
dem Masterstudium ÔÇ║Kunst im KontextÔÇ╣ an der Universit├Ąt der K├╝nste Berlin promovierte sie an der Hochschule f├╝r
bildende K├╝nste Hamburg zum Thema ┬╗Erz├Ąhlte Stadt┬ź (ver├Âffentlicht im transcript Verlag). Birgit Szepanski h├Ąlt
Gastvorlesungen und Vortr├Ąge zu ihren Forschungsthemen „Erz├Ąhlen in der bildenden Kunst und Stadtwahrnehmung“.
Ihre k├╝nstlerischen Arbeiten, die sich mit Erinnern und Erz├Ąhlen im dem urbanen Raum auseinandersetzen, zeigt sie regelm├Ą├čig in Ausstellungen.
www.birgitszepanski.de

Viele der Bildhauerinnen der DDR sind im Kunst- und Kulturgeschehen nach der Wende aus dem Blick geraten. Dabei haben figurative Skulpturen aus der DDR, die heute noch in vielen Parkanlagen und auf Wiesen zwischen Wohnsiedlungen zu finden sind, eine diskursive Aktualit├Ąt. Trotz stilisierter Skulptur-Figuren wie ┬╗Mutter mit Kind┬ź, ┬╗Tr├╝mmerfrau┬ź, ┬╗spielende M├Ądchen┬ź und zahlreiche weibliche Akte wird im Stadtbild die Sicht- und Unsichtbarkeit des Weiblichen ÔÇô als historisch relevante Figur, als k├╝nstlerische Urheberin und Gestalterin von Stadt ÔÇô deutlich. Es lohnt sich, sich diese skulpturalen Frauenfiguren bei Spazierg├Ąngen zum Beispiel in Pankow n├Ąher anzusehen. Einige von Bildhauerinnen der DDR geformte Skulpturen weichen mitunter von der sozialistisch-realistischen Formensprache ab und gestalten im vorgegeben Formenkatalog individuelle Plastiken f├╝r den urbanen Raum.

Das ┬╗Liegende Paar┬ź (1981) von Sabina Grzimek (3) im Prater Garten an der Kastanienallee ist ein Beispiel daf├╝r. Ein halb liegender Mann ist neben einer liegenden Frau auf einem niedrigen Betonsockel platziert. Die beiden Figuren ber├╝hren sich dabei kaum und scheinen ├╝ber dem Boden zu schweben. Die Beine des Paares ragen in die Luft, ebenso verlaufen die langen Haare der Frau senkrecht zum Boden und verst├Ąrken den schwebenden Eindruck. Die aufgeraute Oberfl├Ąche der Skulpturen verst├Ąrkt den fluiden Charakter. Diese Details geben dem filigranen Figurenensemble, neben dem zudem ein Brunnengef├Ą├č von der K├╝nstlerin platziert wurde, eine surrealistisch traumhafte Atmosph├Ąre.

Assoziationen wie Quelle und Ursprung, Natur und Mensch, Liebe und Fruchtbarkeit sind intendiert, werden aber durch die Leerstellen zwischen den Figuren und dem kelchartigen Brunnenobjekt offen gehalten. Eine andere, fr├╝here Skulptur von Sabina Grzimek, ┬╗Stehendes Paar┬ź von 1968 an der Gubitzstra├če Ecke Ostseestra├če, wirkt durch die zur├╝ckhaltende Gestik der Figuren, ihre kleinen K├Âpfe und ihr Nebeneinanderstehen (ohne sich zu ber├╝hren) ebenso seltsam entr├╝ckt. Die Bildhauerin Birgit Horota-M├╝ller (4) ist weniger bekannt als ihr Mann Stephan Horota, dessen zahlreiche Tierskulpturen in Parkanlagen stehen. Neben Grafiken und Lithografien von Tieren gestaltete Birgit Horota-M├╝ller eine zehn Meter lange Bronzetafel mit dem Titel ┬╗Aus der Geschichte des Bezirks Prenzlauer Berg von Berlin┬ź (1971). Diese ist an der Parkmauer des Einganges zum Volkspark Prenzlauer Berg befestigt und schildert die Geschichte des Prenzlauer Berges. In Reliefen stellt die K├╝nstlerin Szenen aus dem Kaiserreich, der Gr├╝nderzeit, dem nationalsozialistischen Deutschland sowie einen sowjetischen Soldaten dar und integriert in diese historische Chronologie K├╝nstlerinnen des Prenzlauer Berges: K├Ąthe Kollwitz, Heinrich Zille und der Architekt Hermann Henselmann sind bei ihren k├╝nstlerischen T├Ątigkeiten zu sehen; Eine sehenswerte Ostberliner Chronologie der Stadt.

 

In dem B├╝rgerpark Pankow befindet sich das Ensemble ┬╗Der Dichter und das M├Ądchen┬ź (1999) der Bildhauerin Sabine Teubner-Mbaye (5). Fichten ums├Ąumen die zweiteilige Skulptur und generieren eine pastorale Beschaulichkeit im Stadtpark. Die lebensgro├čen Skulpturen wurden dabei zu unterschiedlichen Zeitpunkten aufgestellt: Die liegende Figur ┬╗Der Dichter┬ź im Jahre 1989 und das stehende und kraftvoll wirkende ┬╗M├Ądchen┬ź nach der Wende im Jahre 1997. Dies mag ein Grund sein, warum die Figuren trotz eines klassischen BildhauerSujets individuell und solit├Ąr wirken. Eine Frauenfigur aus Sandstein mit abstrahierten K├Ârperformen (2002) der K├╝nstlerin ist gut sichtbar an der Stra├čenecke Florastra├če und G├Ârschstra├če platziert, und eine halbrunde Bank l├Ądt dort zum Verweilen ein. Der Titel ┬╗Bruch ist ganz┬ź l├Ąsst viele Deutungen zu.

 

 

 

 

Eine spannende Geschichte ist mit der Skulpturengruppe ┬╗Drei Frauen┬ź der Bildhauerin und Zeichnerin Carin Kreuzberg (6) verkn├╝pft. Urspr├╝nglich war es eine Auftragsarbeit (1979) f├╝r den Vorplatz des ÔÇ║VEB ElektrokeramikWerkesÔÇ╣ in der Florastra├če. Die Idee, drei Frauen f├╝r den Platz zu gestalten, kam der K├╝nstlerin, nachdem sie bei einer F├╝hrung die vielen Arbeiterinnen in der Werkhalle gesehen hatte. Kreuzberg schuf daraufhin ein Gipsmodell mit drei verschiedenen Frauentypen: Eine mutig Voranschreitende, eine Z├Âgerliche und eine in sich versunkene Tr├Ąumende. (7) Der Betriebsmeister lehnte Kreuzbergs feministische Sicht auf die Arbeitssituation ab und der K├╝nstlerin wurde der Auftrag entzogen. Durch den Kunstfonds der DDR konnte Kreuzberg jedoch ihre ┬╗Drei Frauen┬ź 1981 in Bronze gie├čen lassen. Da es im Bezirk Pankow kaum noch Platz f├╝r Skulpturen gab, lagerten die drei Frauenfiguren bis 1993 im Gr├╝nfl├Ąchenamt Pankow. 1993 wurden sie vom Gr├╝nfl├Ąchenamt auf einer Gr├╝nfl├Ąche am Elizabethweg Ecke Ossietzkystra├če (jetziger Standort) unweit des Schlossparks platziert. Jede Figur steht dabei auf einer eigenen, flachen Plinthe. Kurz nach der Aufstellung der Skulpturengruppe verdrehten Unbekannte die Frauenfigur ÔÇ║VoranschreitendeÔÇ╣ und r├╝ckten sie damit an die beiden anderen heran. Dadurch entstand eine bis heute andauernde kreisf├Ârmige Anordnung der Frauenfiguren und das Motiv der voranschreitenden, mutigen Frau wurde zum Verschwinden gebracht. Die Frage, wann Carin Kreuzbergs Skulpturengruppe ┬╗Drei Frauen┬ź so zu sehen sein, wie die K├╝nstlerin es konzipierte, ist auch eine feministischpolitische Frage zur Kunst im ├Âffentlichen Raum.

 

1 Der Verband Bildender K├╝nstler (VBK) wurde 1950 als Berufsorganisation der Bildenden K├╝nstler gegr├╝ndet. ┬╗Die Mitgliedschaft er├Âffnete den Zugang zum staatlichen Kunsthandel. Die Vergabe ├Âffentlicher Auftr├Ągen erfolgte nur an im Verband organiserte K├╝nstler. Zum Zeitpunkt seiner Aufl├Âsung 1990 hatte der VBK ca. 6.000 Mitglieder.┬ź, www.bildatlas-ddr-kunst.de/glossary/72, abgerufen am 20.11.2022.
2 Angelika Richter, ┬╗Das Gesetz der Szene. Genderkritik, Performance Art und zweite ├ľffentlichkeit in der sp├Ąten DDR┬ź, zitiert aus Fu├čnote 21, Bielefeld 2019, S. 42.
3 Sabina Grzimek (1942 geb. in Rom), in Berlin stehen u.a. die Skulptur ┬╗Mutter mit Kind┬ź (1976-1981), die der Widerstandsk├Ąmpferin Liselotte Herrmann 1909-1938 gewidmet ist, und der ┬╗Junge aus der Marienburgerstra├če┬ź (1968-1970).
4 Birgit Horota-M├╝ller (1936 Frankfurt (Oder) ÔÇô 2021 Berlin), deutsche Bildhauerin und Grafikerin. Eine Tierskulptur ┬╗B├Ąr┬ź (1966) steht auf dem Humanplatz an der Stahlheimerstra├če.
5 Sabine Teubner-Mbaye (1953 geb.), lebt in Berlin, bildhauerische und installative Arbeiten und Grafiken, www.sabine-teubner-mbaye.de.
6 Carin Kreuzberg (1935 in Berlin geb.), lebt in Berlin, zahlreiche Skulpturen im ├Âffentlichen Raum u.a. ┬╗Sitzendes Liebespaar┬ź, (1976), Breite Stra├če; ┬╗Stehender Junge┬ź (1985), Fr├Âbelstra├če; ┬╗Heinrich-Heine-Denkmal┬ź (1990), Heinrich-Heine-Stra├če; ┬╗Denkmal f├╝r E.T.A. Hoffmann┬ź
(1978-1979), urspr├╝nglicher Standort Gendarmenmarkt, heute Innenhof der Staatsbibliothek Berlin.
7 Alle Angaben zu der Skulpturengruppe ┬╗Drei Frauen┬ź stammen aus einem Interview mit Carin Kreuzberg und der Autorin vom 21.11.2022. Der Dokumentarfilm ┬╗Drei Frauen. Kreuzberg in Pankow┬ź (2021) von Annika Lewandowski stellt Carin Kreuzberg als K├╝nstlerin vor und schildert
zudem die Geschichte der Skulpturengruppe ┬╗Drei Frauen┬ź. Der Film erhielt 2022 den ersten Preis des Film Festivals ┬╗Woman over 50┬ź.

 

Die erste Abbildung zeigt „Drei Frauen“ von Carin Kreuzberg, ┬ę Birgit Szepanski
Das zweite Foto zeigt „Liegendes Paar“ von Sabrina Grzimek,┬ę Birgit Szepanski
Das dritte Fot zeigt „Dichter und M├Ądchen“ von Sabine Teubner-Mbaye, ┬ę Birgit Szepanski

 

Frauen in der Stadt. Skulpturen von Bildhauerinnen der DDR in Pankow Skulpturen, die von K├╝nstlerinnen f├╝r den ├Âffentlichen Raum in Berlin geschaffen wurden, sind seltener zu sehen als die von K├╝nstlern. Auch die Darstellung des weiblichen K├Ârpers in einer Skulptur wurde mehrheitlich von Bildhauern ausgef├╝hrt. Dieses Ungleichgewicht existierte auch in der DDR, obwohl dort die Gleichstellung von Mann und Frau politisch gef├Ârdert wurde. In der DDR bekamen prozentual mehr K├╝nstlerinnen Auftr├Ąge f├╝r Kunst-am-Bau-Projekte und Skulpturen im Stadtraum als in der BRD, aber aufgrund hierarchischer Strukturen blieben sie trotzdem in einer Minderheit. Allgemein erhielten honorierte Auftr├Ąge f├╝r Kunst-am-Bau-Projekte, Skulpturen und Ausstellungen in der DDR nur K├╝nstlerinnen, die eine Mitgliedschaft im Verein Bildender K├╝nstlervorweisen konnten. (1) Im Jahre 1988 waren im Verein Bildender K├╝nstler von insgesamt vierhundert bildhauerisch Arbeitenden nur einhundert K├╝nstlerinnen ÔÇô dies zeigt deutlich einen Gender-Gap. (2)

Dr. phil. in art. Birgit Szepanski
ist K├╝nstlerin, Autorin und Dozentin und lebt in Berlin. Nach ihrem Kunststudium an der Kunstakademie M├╝nster und
dem Masterstudium ÔÇ║Kunst im KontextÔÇ╣ an der Universit├Ąt der K├╝nste Berlin promovierte sie an der Hochschule f├╝r
bildende K├╝nste Hamburg zum Thema ┬╗Erz├Ąhlte Stadt┬ź (ver├Âffentlicht im transcript Verlag). Birgit Szepanski h├Ąlt
Gastvorlesungen und Vortr├Ąge zu ihren Forschungsthemen „Erz├Ąhlen in der bildenden Kunst und Stadtwahrnehmung“.
Ihre k├╝nstlerischen Arbeiten, die sich mit Erinnern und Erz├Ąhlen im dem urbanen Raum auseinandersetzen, zeigt sie regelm├Ą├čig in Ausstellungen.
www.birgitszepanski.de

Frauen in der Stadt. Skulpturen von Bildhauerinnen der DDR in Pankow

Skulpturen, die von K├╝nstlerinnen f├╝r den ├Âffentlichen Raum in Berlin geschaffen wurden, sind seltener zu sehen als die von K├╝nstlern.
Auch die Darstellung des weiblichen K├Ârpers in einer Skulptur wurde mehrheitlich von Bildhauern ausgef├╝hrt.
Dieses Ungleichgewicht existierte auch in der DDR, obwohl dort die Gleichstellung von Mann und Frau politisch gef├Ârdert wurde. In der DDR bekamen prozentual mehr K├╝nstlerinnen Auftr├Ąge f├╝r Kunst-am-Bau-Projekte und Skulpturen im Stadtraum als in der BRD, aber aufgrund hierarchischer Strukturen blieben sie trotzdem in einer Minderheit. Allgemein erhielten honorierte Auftr├Ąge f├╝r Kunst-am-Bau-Projekte, Skulpturen und Ausstellungen in der DDR nur K├╝nstlerinnen, die eine Mitgliedschaft im Verein Bildender K├╝nstlervorweisen konnten. (1) Im Jahre 1988 waren im Verein Bildender K├╝nstler von insgesamt vierhundert bildhauerisch Arbeitenden nur einhundert K├╝nstlerinnen ÔÇô dies zeigt deutlich einen Gender-Gap. (2)

Viele der Bildhauerinnen der DDR sind im Kunst- und Kulturgeschehen nach der Wende aus dem Blick geraten. Dabei haben figurative Skulpturen aus der DDR, die heute noch in vielen Parkanlagen und auf Wiesen zwischen Wohnsiedlungen zu finden sind, eine diskursive Aktualit├Ąt. Trotz stilisierter Skulptur-Figuren wie ┬╗Mutter mit Kind┬ź, ┬╗Tr├╝mmerfrau┬ź, ┬╗spielende M├Ądchen┬ź und zahlreiche weibliche Akte wird im Stadtbild die Sicht- und Unsichtbarkeit des Weiblichen ÔÇô als historisch relevante Figur, als k├╝nstlerische Urheberin und Gestalterin von Stadt ÔÇô deutlich. Es lohnt sich, sich diese skulpturalen Frauenfiguren bei Spazierg├Ąngen zum Beispiel in Pankow n├Ąher anzusehen. Einige von Bildhauerinnen der DDR geformte Skulpturen weichen mitunter von der sozialistisch-realistischen Formensprache ab und gestalten im vorgegeben Formenkatalog individuelle Plastiken f├╝r den urbanen Raum.

Das ┬╗Liegende Paar┬ź (1981) von Sabina Grzimek (3) im Prater Garten an der Kastanienallee ist ein Beispiel daf├╝r. Ein halb liegender Mann ist neben einer liegenden Frau auf einem niedrigen Betonsockel platziert. Die beiden Figuren ber├╝hren sich dabei kaum und scheinen ├╝ber dem Boden zu schweben. Die Beine des Paares ragen in die Luft, ebenso verlaufen die langen Haare der Frau senkrecht zum Boden und verst├Ąrken den schwebenden Eindruck. Die aufgeraute Oberfl├Ąche der Skulpturen verst├Ąrkt den fluiden Charakter. Diese Details geben dem filigranen Figurenensemble, neben dem zudem ein Brunnengef├Ą├č von der K├╝nstlerin platziert wurde, eine surrealistisch traumhafte Atmosph├Ąre.

Assoziationen wie Quelle und Ursprung, Natur und Mensch, Liebe und Fruchtbarkeit sind intendiert, werden aber durch die Leerstellen zwischen den Figuren und dem kelchartigen Brunnenobjekt offen gehalten. Eine andere, fr├╝here Skulptur von Sabina Grzimek, ┬╗Stehendes Paar┬ź von 1968 an der Gubitzstra├če Ecke Ostseestra├če, wirkt durch die zur├╝ckhaltende Gestik der Figuren, ihre kleinen K├Âpfe und ihr Nebeneinanderstehen (ohne sich zu ber├╝hren) ebenso seltsam entr├╝ckt. Die Bildhauerin Birgit Horota-M├╝ller (4) ist weniger bekannt als ihr Mann Stephan Horota, dessen zahlreiche Tierskulpturen in Parkanlagen stehen. Neben Grafiken und Lithografien von Tieren gestaltete Birgit Horota-M├╝ller eine zehn Meter lange Bronzetafel mit dem Titel ┬╗Aus der Geschichte des Bezirks Prenzlauer Berg von Berlin┬ź (1971). Diese ist an der Parkmauer des Einganges zum Volkspark Prenzlauer Berg befestigt und schildert die Geschichte des Prenzlauer Berges. In Reliefen stellt die K├╝nstlerin Szenen aus dem Kaiserreich, der Gr├╝nderzeit, dem nationalsozialistischen Deutschland sowie einen sowjetischen Soldaten dar und integriert in diese historische Chronologie K├╝nstlerinnen des Prenzlauer Berges: K├Ąthe Kollwitz, Heinrich Zille und der Architekt Hermann Henselmann sind bei ihren k├╝nstlerischen T├Ątigkeiten zu sehen; Eine sehenswerte Ostberliner Chronologie der Stadt.

 

In dem B├╝rgerpark Pankow befindet sich das Ensemble ┬╗Der Dichter und das M├Ądchen┬ź (1999) der Bildhauerin Sabine Teubner-Mbaye (5). Fichten ums├Ąumen die zweiteilige Skulptur und generieren eine pastorale Beschaulichkeit im Stadtpark. Die lebensgro├čen Skulpturen wurden dabei zu unterschiedlichen Zeitpunkten aufgestellt: Die liegende Figur ┬╗Der Dichter┬ź im Jahre 1989 und das stehende und kraftvoll wirkende ┬╗M├Ądchen┬ź nach der Wende im Jahre 1997. Dies mag ein Grund sein, warum die Figuren trotz eines klassischen BildhauerSujets individuell und solit├Ąr wirken. Eine Frauenfigur aus Sandstein mit abstrahierten K├Ârperformen (2002) der K├╝nstlerin ist gut sichtbar an der Stra├čenecke Florastra├če und G├Ârschstra├če platziert, und eine halbrunde Bank l├Ądt dort zum Verweilen ein. Der Titel ┬╗Bruch ist ganz┬ź l├Ąsst viele Deutungen zu.

 

 

 

 

Eine spannende Geschichte ist mit der Skulpturengruppe ┬╗Drei Frauen┬ź der Bildhauerin und Zeichnerin Carin Kreuzberg (6) verkn├╝pft. Urspr├╝nglich war es eine Auftragsarbeit (1979) f├╝r den Vorplatz des ÔÇ║VEB ElektrokeramikWerkesÔÇ╣ in der Florastra├če. Die Idee, drei Frauen f├╝r den Platz zu gestalten, kam der K├╝nstlerin, nachdem sie bei einer F├╝hrung die vielen Arbeiterinnen in der Werkhalle gesehen hatte. Kreuzberg schuf daraufhin ein Gipsmodell mit drei verschiedenen Frauentypen: Eine mutig Voranschreitende, eine Z├Âgerliche und eine in sich versunkene Tr├Ąumende. (7) Der Betriebsmeister lehnte Kreuzbergs feministische Sicht auf die Arbeitssituation ab und der K├╝nstlerin wurde der Auftrag entzogen. Durch den Kunstfonds der DDR konnte Kreuzberg jedoch ihre ┬╗Drei Frauen┬ź 1981 in Bronze gie├čen lassen. Da es im Bezirk Pankow kaum noch Platz f├╝r Skulpturen gab, lagerten die drei Frauenfiguren bis 1993 im Gr├╝nfl├Ąchenamt Pankow. 1993 wurden sie vom Gr├╝nfl├Ąchenamt auf einer Gr├╝nfl├Ąche am Elizabethweg Ecke Ossietzkystra├če (jetziger Standort) unweit des Schlossparks platziert. Jede Figur steht dabei auf einer eigenen, flachen Plinthe. Kurz nach der Aufstellung der Skulpturengruppe verdrehten Unbekannte die Frauenfigur ÔÇ║VoranschreitendeÔÇ╣ und r├╝ckten sie damit an die beiden anderen heran. Dadurch entstand eine bis heute andauernde kreisf├Ârmige Anordnung der Frauenfiguren und das Motiv der voranschreitenden, mutigen Frau wurde zum Verschwinden gebracht. Die Frage, wann Carin Kreuzbergs Skulpturengruppe ┬╗Drei Frauen┬ź so zu sehen sein, wie die K├╝nstlerin es konzipierte, ist auch eine feministischpolitische Frage zur Kunst im ├Âffentlichen Raum.

 

1 Der Verband Bildender K├╝nstler (VBK) wurde 1950 als Berufsorganisation der Bildenden K├╝nstler gegr├╝ndet. ┬╗Die Mitgliedschaft er├Âffnete den Zugang zum staatlichen Kunsthandel. Die Vergabe ├Âffentlicher Auftr├Ągen erfolgte nur an im Verband organiserte K├╝nstler. Zum Zeitpunkt seiner Aufl├Âsung 1990 hatte der VBK ca. 6.000 Mitglieder.┬ź, www.bildatlas-ddr-kunst.de/glossary/72, abgerufen am 20.11.2022.
2 Angelika Richter, ┬╗Das Gesetz der Szene. Genderkritik, Performance Art und zweite ├ľffentlichkeit in der sp├Ąten DDR┬ź, zitiert aus Fu├čnote 21, Bielefeld 2019, S. 42.
3 Sabina Grzimek (1942 geb. in Rom), in Berlin stehen u.a. die Skulptur ┬╗Mutter mit Kind┬ź (1976-1981), die der Widerstandsk├Ąmpferin Liselotte Herrmann 1909-1938 gewidmet ist, und der ┬╗Junge aus der Marienburgerstra├če┬ź (1968-1970).
4 Birgit Horota-M├╝ller (1936 Frankfurt (Oder) ÔÇô 2021 Berlin), deutsche Bildhauerin und Grafikerin. Eine Tierskulptur ┬╗B├Ąr┬ź (1966) steht auf dem Humanplatz an der Stahlheimerstra├če.
5 Sabine Teubner-Mbaye (1953 geb.), lebt in Berlin, bildhauerische und installative Arbeiten und Grafiken, www.sabine-teubner-mbaye.de.
6 Carin Kreuzberg (1935 in Berlin geb.), lebt in Berlin, zahlreiche Skulpturen im ├Âffentlichen Raum u.a. ┬╗Sitzendes Liebespaar┬ź, (1976), Breite Stra├če; ┬╗Stehender Junge┬ź (1985), Fr├Âbelstra├če; ┬╗Heinrich-Heine-Denkmal┬ź (1990), Heinrich-Heine-Stra├če; ┬╗Denkmal f├╝r E.T.A. Hoffmann┬ź
(1978-1979), urspr├╝nglicher Standort Gendarmenmarkt, heute Innenhof der Staatsbibliothek Berlin.
7 Alle Angaben zu der Skulpturengruppe ┬╗Drei Frauen┬ź stammen aus einem Interview mit Carin Kreuzberg und der Autorin vom 21.11.2022. Der Dokumentarfilm ┬╗Drei Frauen. Kreuzberg in Pankow┬ź (2021) von Annika Lewandowski stellt Carin Kreuzberg als K├╝nstlerin vor und schildert
zudem die Geschichte der Skulpturengruppe ┬╗Drei Frauen┬ź. Der Film erhielt 2022 den ersten Preis des Film Festivals ┬╗Woman over 50┬ź.

 

Die erste Abbildung zeigt „Drei Frauen“ von Carin Kreuzberg, ┬ę Birgit Szepanski
Das zweite Foto zeigt „Liegendes Paar“ von Sabrina Grzimek,┬ę Birgit Szepanski
Das dritte Fot zeigt „Dichter und M├Ądchen“ von Sabine Teubner-Mbaye, ┬ę Birgit Szepanski

 

Frauen in der Stadt. Skulpturen von Bildhauerinnen der DDR in Pankow Skulpturen, die von K├╝nstlerinnen f├╝r den ├Âffentlichen Raum in Berlin geschaffen wurden, sind seltener zu sehen als die von K├╝nstlern. Auch die Darstellung des weiblichen K├Ârpers in einer Skulptur wurde mehrheitlich von Bildhauern ausgef├╝hrt. Dieses Ungleichgewicht existierte auch in der DDR, obwohl dort die Gleichstellung von Mann und Frau politisch gef├Ârdert wurde. In der DDR bekamen prozentual mehr K├╝nstlerinnen Auftr├Ąge f├╝r Kunst-am-Bau-Projekte und Skulpturen im Stadtraum als in der BRD, aber aufgrund hierarchischer Strukturen blieben sie trotzdem in einer Minderheit. Allgemein erhielten honorierte Auftr├Ąge f├╝r Kunst-am-Bau-Projekte, Skulpturen und Ausstellungen in der DDR nur K├╝nstlerinnen, die eine Mitgliedschaft im Verein Bildender K├╝nstlervorweisen konnten. (1) Im Jahre 1988 waren im Verein Bildender K├╝nstler von insgesamt vierhundert bildhauerisch Arbeitenden nur einhundert K├╝nstlerinnen ÔÇô dies zeigt deutlich einen Gender-Gap. (2)

Dr. phil. in art. Birgit Szepanski
ist K├╝nstlerin, Autorin und Dozentin und lebt in Berlin. Nach ihrem Kunststudium an der Kunstakademie M├╝nster und
dem Masterstudium ÔÇ║Kunst im KontextÔÇ╣ an der Universit├Ąt der K├╝nste Berlin promovierte sie an der Hochschule f├╝r
bildende K├╝nste Hamburg zum Thema ┬╗Erz├Ąhlte Stadt┬ź (ver├Âffentlicht im transcript Verlag). Birgit Szepanski h├Ąlt
Gastvorlesungen und Vortr├Ąge zu ihren Forschungsthemen „Erz├Ąhlen in der bildenden Kunst und Stadtwahrnehmung“.
Ihre k├╝nstlerischen Arbeiten, die sich mit Erinnern und Erz├Ąhlen im dem urbanen Raum auseinandersetzen, zeigt sie regelm├Ą├čig in Ausstellungen.
www.birgitszepanski.de